Stadtplanung

Hauptbahnhof: Prüfer empfehlen langes Dach

Das Glasdach des Berliner Hauptbahnhofs soll verlängert, mit den Arbeiten dazu zügig begonnen werden. Das geht aus einer Stellungnahme und Empfehlung hervor, die das Bundesbauministerium jetzt an die Mitglieder des Bundestagsausschusses für Verkehr und Bauen gegeben hat.

Die Kosten der Dachverlängerung werden in dem Prüfbericht mit rund 53 Millionen Euro veranschlagt. Nach Gutachterangaben müssen die Gleise in Ost-West-Richtung für drei Monate gesperrt werden. Betroffen davon wären auch die S-Bahnlinen S 5, S 7, S 75 und S 9.

Am Mittwoch kommender Woche wird der Ausschuss über die Dachverlängerung des vor gut zwei Jahren eröffneten Hauptbahnhofs beraten. Die Mitglieder des Ausschusses hatten Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee (SPD) aufgefordert, die Machbarkeit einer Verlängerung der Dachkonstruktion zu prüfen. Die ursprünglichen Pläne des Architekturbüros "gmp" hatten für das Dach eine Länge von 452 Metern vorgesehen. Doch die Bahn hatte es auf 321 Meter verkürzt, damit der Bau rechtzeitig zur Fußball-WM 2006 fertig wurde. Ein Rechtsstreit mit dem Architekten des Bahnhofs, Meinhard von Gerkan, war die Folge sowie die Tatsache, dass ICE- Reisende der 1. Klasse bei schlechtem Wetter im Regen stehen.

Mit den Bauvorbereitungen soll nach Empfehlung des siebenseitigen Berichts, der der Berliner Morgenpost vorliegt, möglichst bald begonnen werden. Begründung: Das Areal rund um den Hauptbahnhof wird in den kommenden Jahren bebaut - und die erforderliche Baustelleneinrichtung für das Glasdach damit unmöglich. Denn die bereits gefertigten Teilelemente müssten neben dem Bahnhof zusammengesetzt und mit Schwerlast-Kränen in Position gehoben werden. Das Hamburger Ingenieurbüro WTM, das mit dem Bericht beauftragt wurde, kommt zudem zu dem Schluss, dass eine Vollsperrung der Ost-West-Verbindungen im Bahnhofsbereich für bis zu drei Monate unumgänglich sei.

"Wir stehen der Dachverlängerung aufgeschlossen gegenüber, weil sie auch einen wichtigen Lärmschutz für die Anwohner bringt", signalisiert der verkehrspolitische Sprecher der Union im Bundestag, Dirk Fischer, seine Zustimmung.

Der Berliner Fahrgastverband Igeb hat hingegen die Empfehlung Tiefensees scharf kritisiert. "Hier will der Verkehrsminister plötzlich 53 Millionen Euro einsetzen, die nur wenigen Fahrgästen zugute kommen, die aber für hunderttausende eine mehrmonatige Sperrung der Berliner Stadtbahn bedeutet", so der Igeb-Vorsitzende Christfried Tschepe.

"Seit Jahren wird der Standard bei Bahnhöfen und Strecken abgesenkt und dies mit Geldmangel begründet", bemängelt Tschepe. "Man sollte das Geld deshalb dort ausgeben, wo es tatsächlich einer großen Zahl von Fahrgästen nutzt", fordert Tschepe.