Kriminalität

Steigende Zahl von Einbrüchen in Wohnungen

Die hohe Zahl an Wohnungseinbrüchen hat die Polizei auch im April wieder in Atem gehalten. Mit 620 Taten lag diese Deliktgruppe um 40 Prozent über dem Vorjahreswert. Insgesamt registrierte das Landeskriminalamt (LKA) in den ersten vier Monaten dieses Jahres 3300 Einbrüche in Wohnungen.

Das sind 35,6 Prozent mehr Fälle als von Januar bis April 2007. Dies geht aus einer internen Statistik der Berliner Polizei hervor.

Zwar ging die Zahl der Einbrüche im April im Vergleich zum März zurück, doch ist diese Entwicklung nach Polizeieinschätzung jahreszeitlich bedingt: Wenn es länger hell ist, wird weniger eingebrochen. Dennoch gab es im vierten Monat dieses Jahres eine deutliche Zunahme gegenüber dem Vorjahresmonat. Rolf Kaßauer, Landesvorsitzender des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK), sieht dafür vor allem die zunehmende Drogenkriminalität als Grund. Einbrüche begehen in der Regel besonders Drogensüchtige, die sich Geld für ihren Rauschgiftkonsum beschaffen müssen. "Wir haben schon länger beobachtet, dass der Drogenverkauf in den U-Bahnlinien zunimmt", sagte Kaßauer. Daher seien die Zahlen nicht verwunderlich.

Einbrüche an der Hasenheide

Im April waren im Umfeld der Hasenheide und der Brunnenstraße, aber auch an den U-Bahnstationen der Linien 7 und 9 vermehrt Wohnungseinbrüche angezeigt worden, so zum Beispiel nahe der Bundesallee und des Bayerischen Platzes. Spitzenreiter im April war die Polizeidirektion 5 (Neukölln und Friedrichshain-Kreuzberg), wo die Einbrüche um 75 Prozent zunahmen. Im Zeitraum von Januar bis April dieses Jahr hat sich die Zahl der Delikte im Vergleich zum Vorjahr sogar verdoppelt. Dabei sollen sich die Tatorte auf das Gebiet von der Hasenheide bis zur Gneisenaustraße verteilen. Auch in der Direktion 3 (Mitte) gab es mit 57 Prozent im April eine deutliche Zunahme wie auch in der Direktion 6 (Treptow-Köpenick, Lichtenberg, Marzahn-Hellersdorf) mit 45 Prozent.

Besonders betroffen sind insgesamt die Innenstadtbereiche, weil in der Regel in Altbauwohnungen eingebrochen wird - in der Nacht wie auch am Tage. Diese seien, so Polizei-Experten, baulich und technisch schlechter gegen Einbruch gesichert und haben vermehrt sozial schwachen Bewohner als Mieter. In der Direktion 1 (Reinickendorf und Pankow), also in den Außenbezirken der Stadt, stagniert demgegenüber die Zahl der Einbrüche.

50 Intensivtäter festgestellt

Die Polizei hat seit 2007 insgesamt 760 Tatverdächtige ermittelt, darunter 50 Intensivtäter. Fast 150 Täter sind noch nicht volljährig. Das LKA steht dem Phänomen der Zunahme an Wohnungseinbrüchen derzeit relativ hilflos gegenüber. "Nun merkt man, dass es zwei Hundertschaften nicht mehr gibt, die eigentlich für die allgemeine Kriminalitätsbekämpfung zur Verfügung stehen", so der CDU-Innenpolitiker Peter Trapp, zugleich Vorsitzender des CDU-Polizeiarbeitskreises. Zudem seien Zivilfahnder momentan mehr damit beschäftigt, sich um die Brandstifter zu kümmern, die nachts Autos anzünden. BDK-Chef Kaßauer fordert vor allem die Berliner selbst auf, mehr für die Sicherheit ihrer Wohnungen zu unternehmen. "Man sollte sich ein Zusatzschloss zulegen, um sich besser zu schützen", empfiehlt Kaßauer.

Bodo Pfalzgraf, Berliner Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft, fordert, die Beratung durch die Polizei wieder vollkommen kostenlos auszuüben. Im Augenblick muss man erst ab der 31. Minute bezahlen. "Es fehlt aber auch ein Gesamtkonzept mit der Sicherungs- und der Versicherungswirtschaft, das über die Kriminalberatung hinausgeht", so Pfalzgraf. Er fordert deshalb: "Die neuesten Sicherheitsstandards sollten überall - so wie es bereits das Land Nordrhein-Westfalen vormacht - Eingang finden."