Urteil

Eltern und GEW bedauern Urteil zu Mathe-Test

Elternvertreter und die Bildungsgewerkschaft GEW haben enttäuscht auf das endgültige Urteil reagiert, wonach 28 000 Berliner Jugendliche an diesem Montag die Mathematik-Prüfung für den Mittleren Schulabschluss wiederholen müssen. Die Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts (OVG) Berlin-Brandenburg sei "bedauerlich", sagte der Vorsitzende des Landeselternausschusses, André Schindler. "Ich hätte es den Schülern gewünscht, wenn ein anderer Weg gefunden worden wäre", sagte GEW-Landeschefin Rose-Marie Seggelke.

Die Schulverwaltung zeigte sich dagegen erfreut. Sie hatte die erneute Klausur angeordnet, weil vor der ersten Prüfung am 11. Juni an 87 von 346 beteiligten Schulen die Mathe-Aufgaben für die Zehntklässler zum Teil samt Lösungen vorab in den Besitz von Schülern gelangt waren. Die Prüfungen am Montag beginnen um 11 Uhr. Der Elternausschuss-Vorsitzende Schindler riet von einem Boykott ebenso ab wie die GEW-Landeschefin. "Das bringt den Schülern nur Nachteile", sagte Seggelke.

Die umstrittene Wiederholung der Prüfung ist nach Expertenmeinung psychologisch sinnvoll. "Das "Drücken" vor einem Test ist ein Versuch, sich der Überprüfung der eigenen Leistung zu entziehen. Die Schüler sollten aber lernen, sich dem zu stellen, auch und gerade dann, wenn sie belastend ist und die Angst vor Versagen groß", sagte der Berliner Psychologe Peter Walschburger. Das gelte besonders für alle Schüler, die bei dem ersten Test am 11. Juni geschummelt hatten. Das Bemühen vieler Eltern, gegen die Prüfung vorzugehen, ist nach Meinung Walschburgers eher kontraproduktiv. Er rät den Eltern, ihre Kinder darin zu unterstützen, an ihren eigenen Erfolg zu glauben. "Sie sollten den Schülern klar machen, dass Prüfungen im Leben dazu gehören, genauso wie die damit verbundenen Ängste."