Wowereit behält den Durchblick

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hatte diese Woche ein Déjà-vu. Wie schon vor einigen Monaten stand er wegen der neuen Marketingkampagne im Roten Rathaus. Dort stellte er die Aktion "sei Berlin" - "be Berlin" - vor. Damals litt er unter einem schweren Allergieschub. Wowereits Augen waren fast zugeschwollen. Daran erinnerte er sich auch in seiner Ansprache vor den neuen Berlin-Botschaftern: "Dieses Mal hat mich die Allergie nicht gepackt." Um gleich hinzuzufügen, dass ein Regierender selbst in einer solchen Extremsituation immer den Durchblick behält. "Klar gucken konnte ich damals aber trotzdem."

Die Veranstaltung im Roten Rathaus war ein Dankeschön an Menschen, die Vorschläge zur neuen Kampagne gemacht hatten. Einer, der viel am Konzept mitgearbeitet hatte, ist Senatssprecher Richard Meng. Der wiederum feierte am Mittwoch Geburtstag. Wowereit gratulierte im Sinne der Kampagne: "Be happy, be birthday, be Berlin."

Fußball in diesen EM-Tagen geht auch an den Politikern nicht spurlos vorbei. Wer nicht wie Klaus Wowereit direkt zu den Spielen der deutschen Mannschaft wie gegen Österreich ins Stadion kann, geht mit Freunden einfach in die Kneipe. Wie zum Beispiel Ex-Bundesumweltminister Jürgen Trittin von den Grünen. Er schaute sich das Spiel in einer Kreuzberger Kneipe an - und mehr nicht. Als nach dem 1:0 die Bundeskanzlerin die Begegnung analysierte, war Trittin aber schon wieder weg. Länger hielt der FDP-Verkehrsexperte im Abgeordnetenhaus, Klaus-Peter von Lüdeke, durch. Er feierte den Halbfinaleinzug der deutschen Mannschaft mit Freunden in der Nachbarschaft - beim noch amtierenden Europameister Griechenland, im griechischen Lokal Pikilia in Zehlendorf.

Die CDU hat einen Test entwickelt. Auf ihrer Homepage im Internet kann man anhand von sieben Fragen herausfinden, ob man zur Union passt. Dort finden sich Aussagen wie: "Ich lebe gern in Berlin - 'Arm, aber sexy' ist allerdings nicht mein Bild von meiner Stadt." Oder: "Gegen Schmierereien, Vermüllung und Randale muss konsequent vorgegangen werden." Bei genug Ja-Klicks kommen eine Gratulation und die Aufforderung, doch einmal bei einer Veranstaltung der Christdemokraten vorbeizukommen. Ob es nun mit dem Internettest zusammenhängt oder doch mit der großen Bundespolitik - immerhin kann CDU-Sprecher Dirk Reitze eine leicht positive Mitgliederentwicklung seit Anfang des Jahres vermelden.

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