Design

Spitzenkultur für Tokio

Anita Keckeis sitzt am Glastisch ihrer Maisonettwohnung in Schöneberg, im Kiez zwischen Akazienstraße und Kleistpark. Die 40 Jahre alte Designerin streicht mit den Fingern über das weiße Spitzencollier, das sie um den Hals trägt. "Tessa" hat sie die von ihr entworfene Spitze getauft. Die Stickereien sehen wie Schnecken oder stilisierte Tränen aus, die durch hauchdünne Fäden verbunden sind.

Keckeis entwirft die Spitzen in ihrem Arbeitszimmer unterm Dach, gestickt werden sie in Österreich. Die Designerin stammt aus dem Vorarlberg, einer Gegend in der Spitzenstickerei eine lange Tradition hat. Dort studierte Keckeis Textiltechnik.

Danach arbeitete sie vier Jahre als Stickereidesignerin in Liechtenstein. 2000 reiste Keckeis mit ihrem Mann nach Berlin. Bei einem Espresso in Prenzlauer Berg beschloss das Paar spontan, nach Berlin zu ziehen. Von der kreativen Szene der Hauptstadt inspiriert, gründete Keckeis 2005 ihr eigenes Label "kex Spitzenkultur".

Die Vorarlberger Spitze lässt sie in Berlin weiterverarbeiten. Für die Schals, Ketten und Kragen hat Keckeis eine besondere "Perle" gefunden - eine Berliner Näherin, die die Entwürfe umsetzt. Die aufwendig produzierten Accessoires kosten zwischen 100 und 150 Euro. Jedes Einzelteil gibt es in einer limitierten Auflage von 98 Stück - weil Keckeis diese Zahl so gut gefällt. "Dann ist Schluss", sagt sie bestimmt, "das gehört zur Philosophie von kex!"

Ihren eigenen Weg zu gehen sei ihr wichtiger, als einfach nur en vogue zu sein, die schöpferische Freiheit zähle mehr als schneller Erfolg. Doch der Weg zum Erfolg ist schwierig. Die Abnahme eines Modeproduktes, so gut es sein mag, ist keine Selbstverständlichkeit. "So toll Berlin als Stadt auch ist, die Konsumentin für mein Produkt ist nicht einfach zu finden", sagt die Designerin. Die typische "kex"-Kundin sei Französin, Russin oder Japanerin.

In der Mode- und Designerszene der Hauptstadt machte sich Keckeis allerdings schnell einen Namen: Sie startete beim Berlinomat und hatte danach eine eigene Verkaufsfläche in den Galeries Lafayette. Im Rahmen von "Create Berlin" stellte sie ihre Accessoires 2008 in der Londoner Galerie Tate Modern aus. Doch ihren Laden in Charlottenburg, den Keckeis nach zwei Jahren Lafayette eröffnete, musste sie wieder schließen: zu wenig Absatz.

Ihren Durchbruch feierte die Designerin stattdessen in Tokio. Gerade hat sie einen großen Teil ihrer neuen Kollektion in die japanische Hauptstadt geschickt. Von einer in Berlin lebenden Japanerin entdeckt, schaffte es "kex" 2007 in die auf Textilschmuck spezialisierte Boutique "Modigliani nuca". Und die Japaner bestellen immer wieder nach. Sogar die Chefin der japanischen "Elle" sei Fan von "kex", berichtet Keckeis stolz. Die Japaner verstünden auch die Liebe, mit der sie an jedes einzelne Schmuckstück herangeht. Keckeis versieht alle ihrer Modelle mit einem winzigen goldenen Knopf, auf den sie ein schwarzes K aufdruckt. Der Buchstabe verblasst mit der Zeit. "Erst wenn das K nicht mehr da ist, gehört das Schmuckstück der Kundin ganz." Das hätte Japaner begeistert.

Wer sich für "kex" interessiert, kann sich auf der Homepage www.kex-spitzenkultur.com Modelle anschauen.