Justiz

Hochschule Ernst Busch: Schadenersatzklagen drohen

Die Suche nach einem neuen Standort für die Schauspielschule Ernst Busch droht für Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner (SPD) zum politischen Desaster und für die renommierte Ausbildungsstätte zum Drama ohne Happyend zu werden. Während auch nach acht Jahren kein neues Heim für die renommierte Hochschule in Sicht ist, drohen dem Land jetzt sogar Schadenersatzklagen in Millionenhöhe.

Die Vergabekammer der Wirtschaftsverwaltung prüft derzeit, ob die Ausschreibung des Landes fehlerhaft war. Ein Investor hatte gegen den Stopp des Vergabeverfahrens geklagt. Wann die Kammer entscheidet, ist unklar. "Ein Termin steht noch nicht fest", sagte eine Sprecherin der Verwaltung gestern. Der von vielen genannte Termin 24. Juni sei es jedenfalls nicht. Verschiedene Vergaberechtler halten die Argumentation der klagenden Investoren für plausibel. Demnach habe das Land die Bedingungen für die Ausschreibung nachträglich geändert. Das geforderte Bauvolumen sei für die vorgesehenen 30 Millionen Euro nicht zu realisieren. Sollte die Vergabekammer der Auffassung folgen, stünde Wissenschaftssenator Zöllner vor einem Scherbenhaufen - und Ernst Busch weiter ohne Standort da.

Beschwerde gegen Vergabestopp

Vor zwei Monaten hat der Senat die Vergabe mit der Begründung gestoppt, alle Angebote überstiegen die im Haushalt bereitgestellten Mittel. Das günstigste der drei Angebote lag bei rund 37 Millionen Euro - und damit acht Millionen Euro über dem Haushaltsansatz.

Kultursenator Klaus Wowereit (SPD) drängt den zuständigen Bildungssenator Zöllner seit Monaten, endlich eine Lösung für die Schauspielschule zu finden, doch das gestaltet sich schwierig. "Die Suche nach einer landeseigenen Immobilie läuft", sagte gestern der Sprecher der Wissenschaftsverwaltung Bernhard Kempf. "Wir wollen die Standortfrage so schnell wie möglich lösen."

Zusätzlichen Unmut bei den Investoren hat die Besetzung eines Schlichtungstermins durch die Wissenschaftsverwaltung erregt. Die klagenden Investoren hatten den Termin mit Zöllner vereinbart, doch der blieb dem Treffen fern und schickte stattdessen seinen Staatssekretär und einen Abteilungsleiter.

Im Hintergrund der Endlos-Suche laufen zudem handfeste politische Streitereien über den Umzug der Hochschule. Der Bezirk Treptow-Köpenick, in dem ein Großteil der Hochschule untergebracht ist, will Ernst Busch nicht an einen anderen Bezirk verlieren, Pankow wirbt energisch um das Haus, um einen Mieter für die leer stehenden Garbaty-Höfe zu erhalten und den Bezirk attraktiver zu gestalten. Andere Bezirke bringen sich mit ihren leerstehenden landeseigenen Gebäuden ins Spiel.

Standort seit acht Jahren gesucht

Schon seit 2001 sucht das Land Berlin nach einem zentralen Campus für die Hochschule für Schauspielkunst. Ihre Studenten lernen an vier verschiedenen Standorten: die Schauspielschüler in Niederschöneweide, die künftigen Puppenspieler in Lichtenberg, die Choreografen und Bühnentänzer an der Immanuelkirchstraße und die Regisseure an der Belforter Straße in Prenzlauer Berg. Unterdessen verschlechtern sich die Arbeitsbedingungen. Besonders prekär ist die Lage in den maroden Räumen an der Schnellerstraße. Weil das Leitungswasser stark verfärbt ist, wurde das Institut Fresenius mit einer Untersuchung beauftragt. Die Ergebnisse liegen seit Mai vor. Der Eisengehalt des Wassers sei erhöht, der Bleigehalt überschreite den zulässigen Grenzwert, sagt Rektor Engler. Außerdem gebe es keine Klimaanlage im Haus.

Die Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch ist die Nachfolgerin der legendären, von Max Reinhardt gegründeten Schauspielschule, die mit dem Deutschen Theater verbunden war. Sie war zu DDR-Zeiten die renommierteste Ausbildungsstätte für Schauspieler und Puppenspieler.