Messe

Dem neuesten Trend dicht auf den Fersen

Mit Daumen und Zeigefinger fasst er das kleine schwarze Instrument an beiden Seiten. Es ähnelt einem leicht gebogenen, durchlöcherten Lineal. Dann schlägt er die Enden rhythmisch auf die Tischplatte.

Der Untergrund wechselt zwischen großen und kleinen Glastellern und einer silbernen Besteckdose. "Das ist das neue Schlagzeug für die Hosentasche", erklärt der Erfinder Paul Müller-Osten. Dem Schlagzeuger war im Tourbus auf dem Weg zu Konzerten immer langweilig. Er suchte etwas, mit dem er überall rumtrommeln kann. Da kam ihm die Idee des "Chuck-Chuck". Wenn es auf den Markt kommt, soll es unter zehn Euro kosten, so der Entwickler.

Der Musiker Alfred Mehnert möchte das "Chuck-Chuck" verstärkt in Schulen einsetzen. In Kreuzberg zieht Mehnert mit einem Gegenprojekt zu den vielen Castingshows durch die Grundschulen. Der Musiker macht mit den Schülern Rhythmus-Übungen.

Kleben statt Sprayen

An Schulen und Kindergärten wendet sich auch der 30-jährige Timm Zolpys mit seiner "Tape Art". Auf der Messe You können sich die Jugendlichen an einer Wand in der neuen Kunstart ausprobieren. Sie kleben mit roten, blauen, gelben oder schwarzen Bändern Buchstaben an die Wand. Mit silbernem oder schwarz-weiß kariertem Klebeband umrahmen viele ihre künstlerisch geklebten Sätze. Es sieht aus wie Graffiti - ist aber ohne Probleme wieder zu entfernen. "Wir wollen zeigen, dass es auch andere Möglichkeiten gibt, sich künstlerisch an Wänden auszudrücken", sagt der 28-jährige David Gnad. Der On-Air-Designer vom Fernsehen hat vor 18 Monaten die "Tape Art" als neues Hobby entdeckt. Was man braucht: Gaffer oder Panzertapes und einen Cutter für die Feinarbeiten.

"Ich denke, es wird der neue Trend", sagt Zolpys, der Inhaber des Ladens "Klebeland". Das vor einem Jahr eröffnete Geschäft an der Reinickendorfer Straße in Wedding verkaufe über 2000 Arten von Klebebändern. Die Preise für eine Rolle reichen von 50 Cent bis 150 Euro, so Zolpys. Der Politikwissenschaftler sieht vor allem für die BVG enorme Vorteile. "Sie würden hohe Summen für das Entfernen von Graffitis einsparen und müssten sich nicht mehr über die eingeritzten Scheiben ärgern."

Parcouring-WM

Alex reibt sich kurz mit der Handfläche über den geschorenen Schädel und rückt sein grünes Shirt zurecht. Dann nimmt er Anlauf und springt. Wie ein Flummi über ein Autodach, macht eine "Roulade", eine Rolle über Rücken und Schultern, und landet wieder auf beiden Beinen. Überwinden statt umgehen, darum geht es beim Trendsport Parkour, bei dem es auf die Schnelligkeit ankommt und Freerun, bei dem die Kreativität und der Lauffluss entscheidend sind. Gerüste, Rampen, Treppen, Karren, Autos - mit schnellen Bewegungen bahnen sich die Athleten ihren Weg bei der dritten Parcouring-Weltmeisterschaft in Halle 25 der Jugendmesse.

Das sieht spektakulär aus. Und ist anstrengender, als die Leichtigkeit zu vermitteln scheint. Ausdauer, Koordination und Schnelligkeit muss ein Sportler schon mitbringen, um die Strapazen zu überstehen. Die sind nicht ungefährlich: Brüche, Verstauchungen, Prellungen kommen vor allem bei Anfängern vor, die noch nicht ihre Grenzen kennen.

Seine Grenzen sind es, die Danny Bortfeld dem Sport reizen. "Jedes Mal musst du dich überwinden, an dein Limit zu gehen. Dieser Kick macht für mich die Leidenschaft aus", sagt der 23-Jährige. Er trainiert das deutsche Team Pataman Freerun Session aus Berlin.

Die Hauptstadt eignet sich offenbar besonders gut für den Trendsport. Gelände, Wände und Bäume findet man hier im Überfluss. Je verbauter, umso besser.

E-Boarding

Mit beiden Händen hält sich die 14-jährige Nina Hillmann am Geländer fest. Dann stößt sie sich ab und gleitet auf ihrem Waveboard zwei Meter, bevor sie wieder umfällt. Beim ersten Mal ist es nicht leicht, das Gleichgewicht auf dem schmalen Board mit zwei Rädern zu halten. Um Schwung zu bekommen, wackelt die Schülerin mit den Beinen hin und her. "Meine Beine zittern schon total. Leichter ist das E-Board", sagt Nina. Doch das ist ihr mit 500 Euro zu teuer.

Das Skateboard hat vier wuchtige Räder und einen Elektromotor. Mit einer Fernbedienung in Form einer Pistole beschleunigt der E-Skater das Board auf bis zu 35 Kilometer pro Stunde oder bremst, wenn man den Abzug nach vorn drückt. Der Unterschied zum herkömmlichen Skateboard: Für Tricks ist das E-Board einfach zu schwer. Bis zu 35 Kilo kann es wiegen, je nach Modell. Außerdem hat der elektrische Bruder keine Straßenzulassung. Bislang darf es nur auf Privatgrundstücken gefahren werden, nicht aber auf der Straße. Dafür ist es schneller und fährt auch bergauf.

Auf der Messe könne Jugendliche sich die Boards ausleihen und auf einer großen abgesperrten Fläche ausprobieren.