Bildung

Klage gegen neuen Mathe-Test

Der Eklat um die Berliner Mathematik-Prüfungen zum Mittleren Schulabschluss wird jetzt auch die Gerichte beschäftigen. Die Eltern einer Schülerin haben am Montag einen Eilantrag gegen die Wiederholung des Tests am 23. Juni beim Verwaltungsgericht Berlin eingereicht.

Die Zehntklässlerin aus Hohenschönhausen beginnt bereits am Montag ihre Berufsausbildung im Schwarzwald und kann nicht zum Wiederholungstermin erscheinen. "Die Bildungsverwaltung als Angeklagter wurde bereits um eine Stellungnahme gebeten", bestätigte der Sprecher des Verwaltungsgericht, Stephan Groscurth, gestern. Die Zeit zur Bearbeitung des Antrags ist knapp. "Das Gericht wird schon am Donnerstag oder Freitag eine Entscheidung fällen", sagte Groscurth. Diese ist dann allerdings nicht rechtskräftig, die Schülerin muss bis zum Montag zusätzlich Beschwerde einreichen, um der Klausur fernbleiben zu können.

André Schindler, Vorsitzender des Landeselternausschusses Berlin, bleibt skeptisch: "Eine globale Lösung ist nicht in Sicht, die Bildungsverwaltung wird nicht von der Entscheidung abrücken, dass alle 28 000 Schüler nachschreiben müssen." Auch an eine außergerichtliche Einigung zwischen Schülern und Bildungsverwaltung glaubt Schindler nicht.

Sollte die Gerichtsentscheidung zugunsten der Schülerin ausfallen, muss die Bildungsverwaltung reagieren. Nach Ansicht von Schindler könnten andere Schüler den gleichen juristischen Weg gehen. "Bis kurz vor der Klausur am Montag kann die Bildungsverwaltung ihren Beschluss revidieren", bestätigt André Schindler.

Die Eltern aus Hohenschönhausen werden auf Empfehlung des Landeselternausschusses von Anwältin Sibylle Schwarz aus Wiesbaden vertreten. Die Bildungsrechtlerin fordert für ihre Mandantin die Anerkennung der MSA-Prüfung vom 11. Juni. "Meine Mandantin hat eine Leistung erbracht, die auch bewertet werden soll." Die Bildungsverwaltung habe die geltende Prüfungsrechtsverordnung in ihrem Sinne geändert. Zuerst müsse der Beweis erbracht werden, dass ihre Mandantin tatsächlich geschummelt habe. Ansonsten sei der Zwang zur Wiederholung nicht berechtigt und die Leistung der ersten Matheprüfung müsse angerechnet werden. Die Schülerin versichert in einer eidesstattlichen Erklärung, nicht geschummelt zu haben.

Währenddessen steigt die Zahl der Schulen, an denen Unregelmäßigkeiten bei der Prüfung festgestellt wurden, fast täglich. Die Bildungsverwaltung hatte zuletzt von 75 Schulen gesprochen. Die Schüler kämpfen derweil weiter gegen die Wiederholung. So rufen Schüler aus Reinickendorf zu einer zweiten Demonstration morgen ab 14 Uhr auf. Vom Potsdamer Platz ziehen sie vor das Abgeordnetenhaus und hoffen, dort Bildungssenator Zöllner persönlich treffen zu können.