Bildung

Rettung für musikbetonte Schulen

Die musikbetonten Schulen sind gerettet. Gestern, passend zum alljährlich stattfindenden Großkonzert der Grundschulen mit musikalischem Profil in der Philharmonie, hat Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) verkündet, dass die Finanzierung des Zusatzangebotes an den 18 Schulen dauerhaft gesichert ist.

Damit ist der jahrelange Kampf um die Weiterführung des auslaufenden Schulmodells beigelegt.

"Unser Druck hat sich gelohnt", sagt die Leiterin der Papageno-Grundschule in Mitte, Brigitte Stremmler. Immer wieder hatten Schüler, Eltern und Lehrer mit Protestkonzerten und Unterschriftensammlungen auf ihre prekäre Situation aufmerksam gemacht, und sie hatten dabei prominente Unterstützer. Zuletzt hatte Sir Simon Rattle, Dirigent der Philharmoniker, gemeinsam mit der gesamten musikalischen Elite der Stadt dem Senator den Marsch geblasen. Erst vor einem Monat hatten neben Rattle unter anderem Andreas Homoki, Intendant der Komischen Oper, und Pamela Rosenberg, Intendantin des Philharmonischen Orchesters, in einem offenen Brief die finanzielles Absicherung der Schulen gefordert.

Musik fördert Intelligenz

Seit der Verabschiedung des Schulgesetzes 2004 gab es keine gesetzliche Grundlage mehr für die Schulen "mit abweichender Organisationsform". Die Übergangsfrist endet im Schuljahr 2008/2009. Zwar hatte Bildungssenator Zöllner immer versprochen, dass das musikalische Profil erhalten bleiben soll. Infrage gestellt wurde jedoch, ob es auch künftig dafür zusätzliche Mittel geben wird.

Die 15 Grundschulen und drei Oberschulen erhalten insgesamt 1400 Lehrerstunden mehr als eine normale Schule. Das Haushaltsbudget wird dadurch mit 2,2 Millionen Euro jährlich belastet. Diese Zuwendung, so Zöllner, soll in vollem Umfang erhalten bleiben. "Der höhere Aufwand für Instrumentalunterricht erfordert auch höhere Ressourcen", sagte Zöllner gestern.

In den musikbetonten Schulen erhalten die Kinder von der ersten Klasse an eine zusätzliche Musikstunde. Spätestens ab der zweiten Klasse lernen die Schüler dann in einer Zusatzstunde ein Instrument und spielen gleichzeitig am Nachmittag in einem Schulorchester.

"Durch das gemeinsame Musizieren und Singen werden die sozialen Kompetenzen der Schüler entwickelt", sagt Brigitte Stremmler von der Papageno-Schule. Hier lernen die Schüler vor allem Querflöte, Geige und Gitarre. Der Umgang der Kinder untereinander sei rücksichtsvoller und harmonischer. Die regelmäßigen Auftritte im Orchester stärkten zudem das Selbstbewusstsein und wirkten sich so auch positiv auf die anderen Unterrichtsfächer aus, so die Schulleiterin.

Die positiven Effekte der Musikbetonung sind auch wissenschaftlich erwiesen. Günther Bastian, Professor an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main, hatte bereits in den 90er-Jahren die Berliner Schulform untersucht. Die Langzeitstudie hatte unter anderem gezeigt, dass sich die Schüler der Musikklassen besser konzentrieren können. Bastian hatte sich immer wieder für die Weiterführung des vor 30 Jahren gestarteten Berliner Projektes eingesetzt. Die musikbetonten Schulen haben bundesweit inzwischen viele Nachahmer gefunden.