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Die Grünen werden jung

Nein. Die Diskussion passt ihr nicht. "Ich habe keine Lust, dass mein Name ein halbes Jahr lang diskutiert wird", sagt Ramona Pop - klar, knapp und dem ihr eigenen Alt-Tonfall. Kaum ist ein Personalkarussell bei den Berliner Grünen zum Stehen gekommen, fängt das nächste an, sich zu drehen.

Denn mit der Kandidatur des Fraktionschefs Volker Ratzmann für den Bundesvorsitz kommt auch die Diskussion um einen möglichen Nachfolger im Berliner Abgeordnetenhaus in Gang. Favorit für die Nachfolge Ratzmanns ist die 30 Jahre alte stellvertretenden Fraktionschefin und Haushaltsexpertin Ramona Pop.

Pop wird schon länger als kommende Frau bei den Berliner Grünen gehandelt. Die Politikerin sitzt seit 2001 im Abgeordnetenhaus und gehört dem Realo-Flügel der Partei an. "Die stellvertretenden Fraktionschefs sind sicher die ersten Ansprechpartner, sollte Volker Ratzmann in den Bundesvorstand rücken", sagte Pop. Offensichtlich gebe es eine breite Unterstützung für sie als mögliche Nachfolgerin. "Das freut mich", sagte sie. Sie gehöre nicht der gescholtenen jungen Politikergarde an, die von den älteren Grünen despektierlich die "Kann-grad-nicht-Generation" genannt wird, weil sie sich den Parteiämtern verschließen.

Der ebenfalls als Fraktionsvize amtierende Justizpolitiker Dirk Behrendt hat jedenfalls keine Ambitionen auf die Ratzmann-Nachfolge. Dagegen sprächen bereits die Mehrheitsverhältnisse innerhalb der Fraktion. "Ramona Pop wäre die nahe liegendste und eleganteste Lösung", sagte Behrendt. Er selbst gehört dem linken Flügel der Partei an. Bei den Wahlen zum Fraktionsvorstand im November vergangenen Jahres war Behrendt bereits gescheitert. An seiner Stelle rückte Umwelt-Experte Michael Schäfer in den Vorstand. Der Realoflügel der Partei hatte die Linken mit seiner Mehrheit aus dem Vorstand geboxt, weil sich die Lager zuvor nicht auf eine gemeinsame Linie einigen konnten.

Ungelegene Personaldiskussion

Die neuerliche Personaldiskussion kommt den Grünen ungelegen. Parallel zum parteiinternen Wahlkampf zwischen Volker Ratzmann und Cem Özdemir um den Bundesparteivorsitz wabern jetzt die Personalvorschläge für den Berliner Fraktionsvorsitz an der Seite Franziska Eichstädt-Bohligs durch die Landespartei. Ein Ende ist dabei nicht absehbar. Ratzmanns Zukunft entscheidet sich wohl erst im November. Bis dahin hat die Partei mit den Hängepartien zu leben. Sollte Ratzmann gehen, müsste er sogleich sein Abgeordnetenhausmandat abgeben. Die Nachrückerin Astrid Schneider würde ebenfalls den Realoflügel der Partei stärken und die Linken weiter schwächen.

Am Wochenende könnte es dennoch erste Hinweise für die Personalfragen der Grünen geben. Die Bundesrealos treffen sich in Berlin. Volker Ratzmann und Cem Özdemir werden sich dem Parteiflügel vorstellen. Galt Ratzmann zunächst als chancenlos, sollte Özdemir kandidieren, hat sich die Stimmung innerhalb der Partei in den vergangenen Wochen geändert. Das Zaudern Özdemirs um eine mögliche Kandidatur hat Vorbehalte gegen den Europa-Politiker geschürt. "Was hat Ratzmann zu verlieren?", fragt eine Grünen Abgeordnete. "Ratzmann nichts, Özdemir alles." Özdemir kandidiere, um sich einen sicheren Listenplatz für die Bundestagswahl zu sichern, heißt es. Seine Taktierei könnte ihm am Ende seine Kandidatur kosten.

Vom Linken zum Reformer

Volker Ratzmann hatte am Wochenende seine Kandidatur für den Bundesvorsitz angekündigt. Vor zehn Tagen hatte bereits der Grünen-Europaabgeordnete Cem Özdemir seine Kandidatur angemeldet. Beide wollen Nachfolger von Reinhard Bütikofer werden, der auf eine Wiederwahl verzichtet und für das Europaparlament kandidieren will. Die Entscheidung fällt im November.

Der 48-jährige Rechtsanwalt Ratzmann ist seit 2003 zusammen mit Franziska Eichstädt-Bohlig Fraktionsführer der Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus. Für ihn hat sich bereits die Grünen-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Renate Künast, stark gemacht. Er galt früher als Linker, zählt sich aber inzwischen wie Özdemir zu den Reformern der Partei, die neue Mehrheiten jenseits der SPD ausloten. "Wir müssen das eigene Profil schärfen und uns von der SPD lösen", sagt er.

Generationswechsel

Mit Ramona Pop in Berlin würde die Partei einen deutlichen Generationswechsel einläuten. 2001 noch die jüngste Grünen-Abgeordnete im Parlament, hat sich die inzwischen 30-Jährige in den vergangenen Jahren als Jugendpolitikerin und Haushaltsexpertin Respekt verschafft. Den aktuellen Diskussionen um mögliche Jamaika-Bündnisse stünde die Politikerin wie der aktuelle Fraktionschef Ratzmann aufgeschlossen gegenüber - auch wenn ein Bündnis zwischen CDU, FDP und Grünen in Berlin derzeit nicht denkbar ist.