Umzug

Süchtige sollen in ein leeres Schulgebäude

Der Drogenkonsumraum am Kottbusser Tor in Kreuzberg ist im Sommer geschlossen worden. Seit Monaten läuft die Suche nach einem neuen Standort. Nun ist ein geeignetes Objekt gefunden. Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg will ein ungenutztes bezirkseigenes Gebäude der Gerhart-Hauptmann-Schule an der Reichenberger Straße 131 zur Verfügung stellen.

Das Haus soll von der gemeinnützigen Gesellschaft "Zuhause im Kiez" (ZiK) übernommen werden. "Wir wollen die Immobilie mit Hilfe der Deutschen Aidsstiftung kaufen", sagt ZiK-Geschäftsführer Christian Thomes. Seine gGmbH betreibt im Nachbarhaus Nummer 130 an der Reichenberger Straße ein Wohnprojekt für Menschen mit HIV, Aids oder chronischer Hepatitis C. Die Kranken bekommen dort psychosoziale Betreuung und werden gepflegt. Die Aidsstiftung ist auch am Wohnprojekt beteiligt. Im Haus Nummer 129 hat ZiK das Kiez-Restaurant "Orangerie" eingerichtet.

Ein Gutachten beziffert den Wert des Gebäudes Nummer 131, in dem sich Fachunterrichtsräume befinden, auf etwa 350 000 Euro. Rund 800 Quadratmeter stehen als Nutzfläche zur Verfügung. Etwa die Hälfte soll an den Suchthilfeverein Fixpunkt vermietet werden, der zuvor den Druckraum an der Dresdener Straße 15 betrieb. Dort konnten sich Drogenabhängige unter Aufsicht Spritzen setzen. Weil sich Nachbarn im Haus beschwerten, wurde der Mietvertrag gekündigt.

Thomes hofft, dass im November oder Dezember der Kauf des Schulgebäudes vollzogen werden kann. Das Geschäft soll mit dem Liegenschaftsfonds abgeschlossen werden. Der Umbau für den Druckraum ist mit etwa 270 000 Euro veranschlagt. Dafür könnte es Zuwendungen vom Land geben, sagt der ZiK-Geschäftsführer. Wenn der Kauf ohne Verzögerung abgewickelt und auch die Baugenehmigung zügig erteilt werde, dann könne der Druckraum schon im Frühjahr 2010 fertig sein.

Im verbleibenden Teil des Schulhauses soll eine Lehrküche eingerichtet werden, die zum Beispiel Kurse für HIV- und Aidskranke anbietet. Auch für eine Arztpraxis ist noch genügend Platz übrig. Küche und Praxis sollen in enger Zusammenarbeit mit den Projekten von ZiK in den Nachbarhäusern arbeiten. ZiK will außerdem den Schulgarten an der Reichenberger Straße 131 nutzen.

Die Gesellschaft "Zuhause im Kiez" wurde vor etwa 20 Jahren gegründet, sagt Christian Thomes. Er sei von Anfang an dabei. "Unsere Nachbarn kennen uns über einen langen Zeitraum und akzeptieren das Wohnprojekt." Deshalb sei zu hoffen, dass auch der Druckraum in der Umgebung angenommen wird. Anwohner sollen durch Gesprächsabende in der "Orangerie" über das neue Vorhaben informiert werden. Eine erste Veranstaltung hat bereits stattgefunden. Ein früherer Vorschlag des Bezirksamtes Friedrichshain-Kreuzberg, den Druckraum im Wohnhaus des Grünen-Bundesvorsitzenden Cem Özdemir einzurichten, hatte heftige Diskussionen ausgelöst.