Fernsehen

Fiktion und Wahrheit: Die Berliner Drehorte von "Weißensee"

Hausruinen sind längst Mangelware in Berlin, vor allem in der Innenstadt. Passende Drehorte für "Weißensee" zu finden war daher, 20 Jahre nach der Einheit, alles andere als einfach.

In Prenzlauer Berg gibt es kaum noch unsanierte Gebäude, ebenso wenig in der Spandauer Vorstadt und anderen Vierteln. Für die Wohnung der regimekritischen Liedermacherin Dunja Hausmann wurde das Team von Ziegler-Film allerdings tatsächlich in der Wallstraße fündig, nur wenige hundert Meter vom Spittelmarkt entfernt. Hier steht noch ein unsaniertes Haus, das den morbiden Charme der späten DDR atmet: Unverputzte Wände, schmutzig-grün gemusterte Tapeten, abgenutzte Treppenstufen. Für die "leicht chaotische und doch charmante Einrichtung" bediente sich Szenenbildner Frank Goldt im Fundus Adlershof, aber auch im Dokumentationszentrum Alltagskultur in Eisenhüttenstadt.

Eine wichtige Rolle spielt naturgemäß die Stasi-Zentrale an der Normannenstraße. Hier befindet sich das Büro von Hans Kupfer, dem stellvertretenden Chef der Hauptabteilung XX, zuständig für "Staatsapparat, Massenorganisationen, Kultur, Kirche". Weil aber der größte Teil des riesigen Komplexes längst für andere Zwecke genutzt wird und umgebaut ist, drehte Regisseur Friedemann Fromm diese Szenen im einstigen Ministersitz, dem Haus 1. Hier war ein stellvertretender Hauptabteilungsleiter natürlich in Wirklichkeit höchstens gelegentlich mal zu Besuch. Der wirkliche Sitz der für den "politischen Untergrund" zuständigen Abteilung war das Haus 7, in dem heute die Birthler-Behörde Büros hat, die modernisiert sind.

Eine wichtige Kulisse, zudem nahezu unverändert erhalten, war das ehemalige Stasi-Gefängnis in Hohenschönhausen. Schwieriger zu realisieren waren die Straßenszenen, für die selbst Nachbauten der ostdeutschen Straßenlaternen aufgestellt wurden, und der Kosmetiksalon, für den ein leeres Gebäude in DDR-Stil ausgestattet werden musste, in dem das schmale Angebot attraktiv arrangiert werden musste. Der titelgebende Weiße See dagegen war ohne größeren Aufwand eine geeignete "location". Nur die Bäume sind, vergleicht man Bilder aus den 80ern mit heute, deutlich größer geworden.