Busspur, Umweltkarte und Tempolimit

Heute prägt die Architektur des Potsdamer Platzes das Stadtbild, die hell erleuchteten Fenster stehen für das zukunftsweisende Berlin.

Heute prägt die Architektur des Potsdamer Platzes das Stadtbild, die hell erleuchteten Fenster stehen für das zukunftsweisende Berlin. Eingeleitet wurde die Neugestaltung bereits 1990 - vom ersten rot-grünen Senat, der Berlin regierte. Der Verkauf der Grundstücke an Daimler-Chrysler und Sony fällt ebenso in die Zeit von Rot-Grün wie zahlreiche andere Entscheidungen, deren Ergebnisse bis heute präsent sind.

Es war eine merkwürdige Riege, die der Regierende Bürgermeister Walter Momper (SPD) am 16. März 1989 auf der Treppe des Schöneberger Rathauses der Öffentlichkeit vorstellte. Die wenigsten waren bekannt, auch der Regierende erreichte erst mit dem überraschenden Fall der Mauer und dem legendären roten Schal überregionale Aufmerksamkeit. Von den 13 Senatoren waren acht Frauen, zwei davon parteilos. Insgesamt sind es vor allem die verkehrspolitischen Neuerungen, die auch 16 Jahre nach der rot-grünen Regierung weiter im Stadtbild wirksam sind.

Aufregung um Tempo 100 auf der Avus

Längst beruhigt hat sich die Aufregung um das Tempolimit auf der Avus. Der ADAC hatte zu Autokorsos aufgerufen, als der damalige Senat daran ging, seine verkehrspolitischen Ideen tatsächlich umzusetzen. Auch die Verkehrsberuhigung der Havelchaussee erhitzte die Gemüter. Autofahrer sahen sich in ihrer persönlichen Freiheit beschränkt, von der Politik gegängelt und demonstrierten hupend dagegen. Doch noch heute gilt Tempo 100 auf der Avus, ohne dass sich darüber jemand aufregt.

Auch die systematische Einrichtung der Busspur ist ein Erbe dieser Regierung. Mittlerweile hat die Verkehrsverwaltung 101 Kilometer Straßen damit ausgestattet, um den öffentlichen Nahverkehr am Berufsverkehr vorbeizuleiten.

Walter Momper erinnert sich heute noch an weitere Erneuerungen von Dauer. "Wir haben die Umweltkarte eingeführt, ein Referat für gleichgeschlechtliche Lebensweisen bei der Jugendverwaltung eingerichtet und das Hahn-Meitner-Institut erhalten", sagt der heutige Parlamentspräsident - alles hat noch heute Bestand.

Die rot-grüne Premiere währte 20 Monate

Doch dem Momper-Senat war kein langes Leben beschieden. Er überdauerte nur 20 Monate, unüberbrückbare Differenzen zwischen den Koalitionären und die Folgen des Mauerfalls setzte der Premiere ein Ende. Insgesamt zwei Mal regierte Rot-Grün, allerdings hielt auch der zweite Senat nur kurz. Die gemeinsame Regierungszeit im Jahr 2001 nach dem Bruch der Großen Koalition war nur als ein von der PDS geduldeter Übergangssenat für die Zeit bis zu den Neuwahlen angelegt.