Im Büro hat sie das Sagen

Tanja Bögner entschuldigt sich für die "Unordnung". Dabei sieht ihr Schreibtisch weitaus ordentlicher und strukturierter aus als manch anderer nach dem Aufräumen.

Tanja Bögner entschuldigt sich für die "Unordnung". Dabei sieht ihr Schreibtisch weitaus ordentlicher und strukturierter aus als manch anderer nach dem Aufräumen. Ihre Papiere sind abgelegt, und das Telefon ist umgeleitet, auf dem Tisch stehen Blumen und liegen Glückwunschfaxe. Wir stehen ja auch im Büro eines gekürten Organisationsprofis: Tanja Bögner ist Deutschlands beste Sekretärin. Dieser Tage hat sie den bundesweiten Wettbewerb gewonnen, erstmals ausgeschrieben vom Büroartikelhersteller Leitz. Um zu diesem Titel zu kommen, mußte die 35 Jahre alte Hermsdorferin ein gutes Allgemeinwissen vorweisen, Fragen zu Geographie, Wirtschaft, Politik und Kultur beantworten, weitere zur neuen Rechtschreibung und zu Computerprogrammen. Sie mußte wissen, wie man einen Bürgermeister im Geschäftsbrief anredet, und Begriffe wie "Lieferverzögerung" ins Englische übersetzen.

Tanja Bögner hat sich gegen 1200 Mitbewerberinnen durchgesetzt. Sie spricht englisch, spanisch und französisch, studierte an der Akademie für Wirtschaft und Verwaltung in Bad Waldliesborn und ist seit 1992 diplomierte fremdsprachliche Direktionsassistentin. Seit Januar 2005 arbeitet sie als Vorstandsassistentin beim BVV Versicherungsverein des Bankgewerbes am Kurfürstendamm, nach Stationen bei Schering in Bergkamen, in Berlin bei Industrial Investment Council und Bombardier.

"Wie ein Octopus, der mit jedem Arm etwas anderes tut", beschreibt die Beste im deutschen Lande die Arbeit einer Sekretärin. Konkret hieße das, gleichzeitig zu telefonieren, einem Kollegen Zeichen zu geben und im Auge zu behalten, ob der Chef sein Büro verläßt. Ein belastbarer Octopus, wohlverstanden: einer, der Prioritäten setzen kann und nicht sagt "Leute, ich schaff' das nicht", wenn er drei Sachen gleichzeitig tun soll. Schnelle Entscheidungen sind gefragt und natürlich Organisationstalent. Dazu kommen Menschenkenntnis, gute Nerven und Feingefühl.

"Ich bin der Dreh- und Angelpunkt für Kontakte und Entscheidungen. Bei mir kommt alles ungefiltert an, und ich gebe es gefiltert weiter." Und für all dies brauche es eine gute Ablagedokumentation: "Hinter einem organisierten Chef steht eine noch organisiertere Assistentin." Wem das nicht zu stressig sei und wer daran Spaß habe, für den sei es ein Traumberuf: "Das Aufgabenfeld ist riesig und in allen Branchen einsetzbar."

Die Preisausschreibung hält sie dafür geeignet, mit dem alten Klischee von der Kaffee kochenden "Tippse" aufzuräumen: "Den Diener zu machen, aus diesen Zeiten sind wir raus. Im Sekretariat habe ich das Sagen. Und Assistentinnen haben mindestens so viel Arbeit wie ihre Chefs. "