Bildung

Ehrenamtliche engagieren sich an Schulen

Es sind 10 mal 12 Meter, die die Welt ein bisschen besser machen sollen. Seit dem Wochenende hängt am Checkpoint Charlie ein Riesenposter, das für das Engagement in den deutschen Bürgerstiftungen wirbt.

Über den Köpfen der Menschen an einem der Knotenpunkte der Stadt sieht man nun, wie Lesepatin Kristina Rochlitz zusammen mit dem achtjährigen Grundschüler Vinogen von der Mercator-Grundschule in Lichtenberg ein Buch liest: Er blickt konzentriert auf die Blätter, die 65-Jährige schaut ihm über die Schulter und hilft. Es ist ein bisschen mehr als einfach nur Lesen; zusammen erleben sie das Buch. Ein Team, das ohne die Bürgerstiftung Berlin wohl niemals zustande gekommen wäre.

Mindestens bis zum 1. Oktober, wenn zum vierten Mal der bundesweite "Tag der Bürgerstiftungen" stattfindet, wird das Poster hängen. Anlass für die Plakat-Aktion der Initiative Deutscher Bürgerstiftungen ist der zehnte Geburtstag der Bürgerstiftung Berlin. Dieser wurde mit einem Festakt in der Berliner Akademie der Künste gefeiert.

"Bürgerstiftungen in der Hauptstadt, wie die Bürgerstiftung Berlin oder die Bürgerstiftung Neukölln, machen eine tolle Arbeit", sagt Axel Halling, Projektreferent der Initiative, die bei der Gründung von Bürgerstiftungen hilft und anschließend beratend zur Seite steht. "Wir wollen mit dem Plakat erreichen, dass sich die Öffentlichkeit fragt: Was machen die beiden da genau?"

Kristina Rochlitz ist eine von über 200 Lesepaten, die mittlerweile für die Bürgerstiftung Berlin aktiv sind. Sie gehen in die Schulen, helfen den Kindern beim Lesen, tragen Geschichten lebhaft vor oder haben auch einfach nur mal ein offenes Ohr für die Sorgen der Kinder - "LeseLust" heißt das Projekt. "Unsere Lesepaten verbessern nicht nur die Lesefähigkeit, sie geben den Kindern auch ein hohes Maß an Zuwendung", sagt Uta Jankowsky von der Bürgerstiftung Berlin, die unabhängig von Parteien und Verbänden agiert und sich aus den Erträgen des Stiftungskapitals finanziert.

Etwa 300 ehrenamtliche Helfer engagieren sich an momentan zehn Berliner Schulen und Kitas. Neben dem Projekt "LeseLust" und einem Experimentierklub für Mädchen bietet die Berliner Bürgerstiftung auch das Mitmachen bei den "Umwelt-Detektiven" an. Dabei verlassen die Grundschüler zusammen mit den Ehrenamtlichen der Stiftung und Umweltpädagogen die Klassenräume und erforschen, was im Kiez grünt und krabbelt.

Talente erkennen

Gezielt als Nachbarschaftsstiftung wurde 2005 die Bürgerstiftung Neukölln gegründet. "Neukölln ist ein Bezirk der Vielfalt - und diese wollen wir unterstützen", sagt Friedemann Walther, Vorsitzender des Stiftungsvorstandes. Etwa 80 Menschen engagieren sich ehrenamtlich in verschiedenen Projekten. Einige Mentoren begleiten die Entwicklung von Kindern im Alter zwischen acht und zwölf Jahren und schauen, wie sie diese fördern können. "Ein Pate erkennt zum Beispiel das Talent zum Klavierspielen", so Walther. "Er organisiert deshalb dann den Musikunterricht." In einem anderen Projekt stehen Mentoren Hauptschülern bei der Vorbereitung ihres Abschlusses zur Seite.

"Das Engagement bringt allen etwas", sagt Jankowsky. "Die Kinder werden gefördert, die Erwachsenen können etwas Gutes tun." Viele Ehrenamtliche kommen, um nach dem Ausscheiden aus dem Berufsleben eine Aufgabe zu haben. Nach dem Jubiläum plant die Bürgerstiftung Berlin nun auch, im Osten der Stadt Fuß zu fassen. "Das soll ausgebaut werden", so Jankowsky.

Internet: www.die-deutschen-buergerstiftungen.de