Trendsportart

Die Slackliner treffen sich in Berliner Parks

Frank Sommer nimmt Anlauf, läuft los und springt auf das Seil, das er zwischen zwei Bäumen im Volkspark Friedrichshain gespannt hat. Er läuft darauf vor, wieder zurück, wechselt die Richtung. Das Band unter seinen Füßen schwingt verdächtig stark hin und her. Dabei weiß Frank Sommer genau, was er tut.

Der 47-Jährige übt nämlich schon seit ein paar Jahren regelmäßig, auf der sogenannten Slackline, einem Gurtband, dass man meist zwischen zwei Baumstämmen spannt, zu tanzen. Ein Anfänger schafft kaum zwei Meter. Um über die gesamte etwa zehn Meter lange Leine zu kommen, brauche man zwei, drei Tage, sagt Sommer.

Erstaunlich wenig gespannt ist die Slackline vor allem zur Mitte hin, enorm viel Körperspannung und Konzentration erfordert es, auch nur ein paar Meter auf dem Band zurückzulegen. "Man muss die Arme hochhalten, den Kopf sehr gerade und nach vorne schauen", sagt Frank Sommer. "Das ist wichtig, sonst klappt es nicht." Lachen, reden und balancieren ist schwierig - und gelingt selbst dem geübten Sommer kaum.

Kletterer in Kalifornien haben das "Slacken" - wie der 47-Jährige es nennt - schon in den 80er-Jahren erfunden. Immer wenn es regnete und zu rutschig zum Klettern war, vertrieben sie sich die Zeit damit, auf den Bändern aus ihrer Ausrüstung zu balancieren. Seit ein paar Jahren entdecken auch Nichtkletterer die Slackline. "Ich habe ein Forum für Longboards im Internet. Der Chef von der Firma Gibbon, die Slacklines herstellt, ist Longboarder. Er hat es mir eines Tages gezeigt", sagt Sommer. Jeden Dienstagabend treffen sich die Slackliner rund um Sommer im Volkspark Friedrichshain. Auch im Mauerpark turnen Hobbyartisten regelmäßig auf ihren Bändern zwischen Bäumen, ebenso im Görlitzer Park, im Volkspark Rehberge und im Schlosspark Charlottenburg. In vielen Sport- und Spielzeugläden und im Internet kann man mittlerweile Slacklines kaufen.

"Mit 1,8 Kilo in der Tasche kannst du überall Sport machen. Und bist immer draußen", sagt Frank Sommer. Außerdem sei Slacken gut für den Körper. "Die Bänder werden gestärkt, die Koordinationsfähigkeit und das Gleichgewicht verbessert", sagt Sommer. "Zehn-, fünfzehnmal darüberzulaufen ist ganz schön anstrengend."

Hier im Volkspark Friedrichshain treffen Männer auf Frauen, Studenten auf Handwerker, Nichtkönner auf Profis. "Uns geht es hiervor allem um Spaß. Das sollte ja der Motor für jede Sportart sein", sagt Sommer und springt noch mal auf seine Slackline.