BVG

Millionenschäden durch Vandalismus

Beschmierte Züge und Haltestellen, zerkratzte Scheiben, aufgeschlitzte Sitze - Vandalismus ist Alltag im Berliner Nahverkehr. Gut 13 Millionen Euro mussten S-Bahn und Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) im vergangenen Jahr für die Beseitigung von Schäden bezahlen.

Das geht aus der Antwort der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung auf eine Parlamentsanfrage des CDU-Abgeordneten Matthias Brauner hervor. Insgesamt sind die Zahlen zwar leicht rückläufig - 2008 lag die Schadenssumme bei 13,5 Millionen Euro - trotzdem warnt BVG-Sprecherin Petra Reetz vor verfrühter Freude. "Von einem anhaltenden positiven Trend auszugehen, wäre falsch", sagt Reetz.

Den Etappen-Erfolg der BVG im Kampf gegen Graffiti und Sachbeschädigung führt sie auf konsequente Beseitigung, Verfolgung, und Abschreckung zurück. Weil Schmierereien in der Regel kurzfristig entfernt würden, fehle den Tätern das Erfolgserlebnis. Zudem werde in allen Fällen Anzeige erstattet. Bewährt hätten sich auch die bei Fahrgästen unbeliebten, gemusterten Fensterfolien in Straßen- und U-Bahnen. Sie sollen das sogenannte Scratching, also das Zerkratzen der Scheiben erschweren und die Beseitigung der Schäden vereinfachen. Inzwischen sind nach BVG-Angaben fast alle U-Bahn-Züge und die meisten Trams mit den Folien beklebt.

Bilanz der Maßnahmen: Von 8,6 Millionen Euro im Vorjahr sank die Schadensumme 2009 bei der BVG auf 7,4 Millionen Euro. Anders bei der Berliner S-Bahn. Im Krisenjahr 2009 wurden Züge und Stationen des Tochterunternehmens der Deutschen Bahn wieder häufiger beschädigt. Knapp 5,6 Millionen Euro kostetet die Beseitigung, fast 700 000 Euro mehr als im Vorjahr.

"Leider gelten Graffiti, Scratching & Co. vielen immer noch als Dumme-Jungen-Streiche", sagt BVG-Sprecherin Reetz. Wie immens die Gesamtsumme der Schäden bei BVG und S-Bahn trotz des leichten Rückgangs immer noch ist, macht sie mit einer Beispielrechnung deutlich. Für das Geld, das die Verkehrsbetriebe in einem Jahr für die Beseitigung von Graffiti und anderen Sachschäden ausgeben, könnten sie fast 20 neue Doppeldecker-Busse kaufen oder acht Aufzüge bauen.

Besonders ärgerlich für die beiden großen Berliner Verkehrsunternehmen: Immer häufiger bleiben sie auf den Kosten sitzen. Nur wenige Täter werden ermittelt und verurteilt - und selbst jene müssen oder können meist nicht für den entstandenen Schaden zahlen. Trotz mehr als 6500 Anzeigen wurden nach Angaben der Justizverwaltung im vergangenen Jahr gut 1600 Ermittlungsverfahren eingeleitet. Nur in 145 Fällen wurden der oder die Täter verurteilt. Noch magerer fallen die Schadenersatzansprüche aus, die S-Bahn und BVG zivilrechtlich durchsetzen konnten. 18 400 Euro waren 2009 bei der BVG. Das sind nur etwa 0,25 Prozent der Schadenssumme. Noch schlechter fällt die Bilanz bei der S-Bahn aus. Mit 6457 Euro konnte sie nur gut 0,1 Prozent der Kosten von den Tätern eintreiben.

CDU-Mann Brauner spricht von einer "bedauerlichen Entwicklung". Immerhin habe die S-Bahn im Jahr 2006 noch Schadenersatzansprüche von 55 000 Euro durchsetzen können. Brauner wertet die jetzt vorgelegten Zahlen auch als alarmierendes Signal für die Berliner Gesamtsituation. "Gewalt gegen Sachen", so Brauer, sei inzwischen Alltag. "Dazu gehören auch die brennenden Autos und auch das Beschmieren von öffentlichen Gebäuden oder Parteigeschäftsstellen", kritisiert der Abgeordnete.

Und - das belegt die Antwort der Senatsverwaltung - auch Gewalt gegen Menschen ist im Nahverkehr immer noch alltäglich. 635 Übergriffe auf eigene Mitarbeiter und Beschäftigte von Fremdfirmen, die im Auftrag der BVG etwa Fahrscheine kontrollieren, zählten die Verkehrsbetriebe im vergangenen Jahr, nur 42 weniger als 2008. Die Zahl der schweren Übergriffe, bei denen das Opfer mehr als drei Tage krankgeschrieben war, stieg sogar um vier auf 139. In den meisten Fällen wurde Ticket-Kontrolleure oder Busfahrer angegriffen. Nicht besser war die Entwicklung bei der S-Bahn. 52-mal wurden Mitarbeiter Opfer von Körperverletzung, Nötigung, Beleidigung oder Bedrohung. Im Jahr 2008 waren nur 35 Vorfälle gemeldet worden.

Dass vor allem die Zahl der schweren körperlichen Angriffe nach einem leichten Rückgang in den Vorjahren wieder gestiegen ist, bereitet den Verkehrsbetrieben Sorgen. "Zu unserem großen Entsetzen, steigt offenbar die Bereitschaft, jemanden ernsthaft zu verletzen", sagt Unternehmenssprecherin Reetz.

"Zu unserem großen Entsetzen, steigt offenbar die Bereitschaft, jemanden ernsthaft zu verletzen"

Petra Reetz, BVG-Sprecherin