Stadtplanung

Streit am Olivaer Platz geht in eine neue Runde

Obwohl die letzten Kleingärtner ihre Parzellen bereits im Winter vergangenen Jahres geräumt haben, wird immer noch um die Bebauung an der Württembergischen Straße in Wilmersdorf gestritten.

Bei einem nicht öffentlichen Erörterungstermin beschäftigte sich jetzt das Oberverwaltungsgericht drei Stunden lang mit dem vom Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf festgesetzten Bebauungsplan, dessen Rechtmäßigkeit Anwohner des Nachbargrundstücks anzweifeln und deshalb dagegen klagen.

Mit dem Ergebnis des Erörterungstermins, bei dem versucht wurde, eine gütliche Einigung herbeizuführen, sind sie zufrieden. Ihr Vorschlag, auf den Querriegel zu ihrem Wohnhaus komplett zu verzichten oder das geplante Gebäude mindestens in der Höhe zu halbieren, wurde allerdings nicht akzeptiert. "Immerhin hat der sehr gut informierte Richter aber signalisiert, dass es im Bebauungsplan Mängel gibt und beim nächsten Termin im Oktober auch ein entsprechendes Urteil zu erwarten ist", berichtet Kläger Jens-Peter Kruse von der Interessengemeinschaft Olivaer Platz 7. Die Ausnutzung des Grundstücks sei überzogen, auch im Bebauungsplan festgelegte Abstandsflächen habe der Richter kritisch gesehen. Sollte das OVG den Bebauungsplan im Oktober deshalb für nichtig erklären - wovon die Kläger ausgehen -, gebe es zwei Möglichkeiten, so Kruse: "Das Bezirksamt ändert und beseitigt die Mängel, das wäre ein vernünftiger Weg." Die zweite Möglichkeit, die Genehmigung für den neuen Bauantrag ohne Bebauungsplan zu erteilen, wäre nach Ansicht der Kläger "eine Katastrophe". In dem Fall würde das Amt einschätzen, wie sich das Vorhaben in die Umgebung einfügt. Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler (CDU) will erst das Urteil abwarten, bevor er öffentlich Position bezieht. Im Stadtplanungsausschuss, der am Mittwochabend tagte, wurde das Thema in nicht öffentlicher Sitzung erläutert.

Investor plant 13 neue Häuser

Der Investor verfolgt den Streit, sagt aber, sein Bauvorhaben sei dadurch nicht gefährdet. Das Gericht habe sich bei den meisten Punkten gegen die Kläger geäußert, so Henning Hausmann, Prokurist der Bauwert Investment Group. Die Gruppe will auf dem Grundstück an 210 Wohnungen - davon ein Drittel Mietwohnungen - in 13 Häusern errichten. Da sich der Bebauungsplan auf den überholten Entwurf des Architekten Eike Becker beziehe, der aber von ihnen nicht realisiert werde, könne es sich nur um formelle Mängel handeln. Die Bebauungsdichte des Grundstücks sei in ihrem Vorhaben mit unter 40 Prozent "ohnehin geringer" als in dem früheren Entwurf, so dass mögliche Änderungen im Bebauungsplan keine Auswirkungen auf das jetzige Projekt hätten. Mit den neuen Plänen für die 13 individuell zu gestaltenden Neubauten hat die Bauwert die Architekturbüros "Patzschke & Partner" sowie Arno Bonanni beauftragt. Neben Vorgärten, Innenhöfen und begrünten Flachdächern soll es einen öffentlichen Grünstreifen mit Spielplätzen im rückwärtigen Bereich geben. Auf Gewerbe wurde komplett verzichtet. Für die Verschönerung der Brandwände soll der Berliner Fassadenkünstler Gerd Neuhaus sorgen. Hausmann gibt sich sicher: "Der Richter hat klar gemacht, dass die Bebauung, wie sie jetzt vorgesehen ist, nicht zu verhindern ist."