Streit um sein neues Buch

Haus der Kulturen will Sarrazin nicht lesen lassen

Wo er auch auftreten wird in den kommenden Tagen, Thilo Sarrazin wird mit heftigen Protesten und Demonstrationen rechnen müssen - wegen seiner von vielen als rassistisch empfundenen Thesen zu muslimischen Einwanderern.

Das Haus der Kulturen der Welt hat angekündigt, Sarrazin von einer lange geplanten Lesung aus seinem neuen Buch am 25. September auszuladen, sollte er sich weigern, einen "kritischen Gesprächspartner" neben sich auf dem Podium zu akzeptieren.

"Die von uns gewünschte Form der Auseinandersetzung wird dadurch konterkariert", sagte Intendant Bernd Scherer: "Bleibt es bei dieser Haltung von Thilo Sarrazin und des Verlages, wird die Veranstaltung bei uns nicht stattfinden." Sarrazins polemische Thesen stünden "völlig konträr zur Grundhaltung des Hauses", sagte der Intendant.

Zuvor hatte der Berliner Migrationsrat zu Protesten gegen das Haus der Kulturen aufgerufen, weil es "salonfähigem Rassismus" eine Bühne biete. Mit der "Akzeptanz der Propagierung" von Sarrazins Weltsicht verliere das Haus der Kulturen "jegliche Glaubwürdigkeit", so der Migrationsrat, der nach eigenen Angaben 74 Organisationen von und für Einwanderer vertritt.

SPD-Mann ist empört

Sarrazin selbst zeigte sich gestern empört über die Drohung des Intendanten. Das Haus der Kulturen werde mit Mitteln der Bundesregierung finanziert, sei eine öffentliche Einrichtung, betonte der frühere Berliner Finanzsenator. Er sei bekannt für seine Streitlust, setze sich jederzeit gerne mit kritischen Gesprächspartnern auseinander, sagte Sarrazin.

Im Rahmen des Internationalen Literaturfestivals Berlin sei jedoch eine Lesung vorgesehen und nicht ein Streitgespräch, wie für rund 20 weitere Autoren auch. Der Auftritt werde vom ZDF-Journalisten Christhard Läpple moderiert, der sicherlich kritische Fragen stellen werde. Wenn man ihm einen Kritiker gegenüberstellen wolle, müsse das auch für die anderen Autoren des Festivals geschehen, sagte Sarrazin: "Ich lasse mich nicht unter ein Sonderrecht stellen." Dem Leiter des Festivals, Ulrich Schreiber, sei die Haltung des Hausherrn "peinlich gewesen".

Hinweise auf die Lesung im Haus der Kulturen waren gestern Abend von der Internetseite des HdKW und des Literaturfestivals verschwunden. Die Veranstaltung werde dort nicht stattfinden, sagte die Sprecherin des Festivals, Natascha Winkel. Die Organisatoren seien aber bemüht, einen anderen Ort zu finden. Es gebe mit dem Moderator einen kritischen Gesprächspartner, auch das Publikum sei eingeladen, zu diskutieren. "Wir glauben, dass das ein Rahmen für kritische Auseinandersetzung ist", so die Sprecherin.

Sarrazins Verlag DVA erklärte, man lege Wert auf die Feststellung, dass Thilo Sarrazin sich sehr wohl der Diskussion stelle. Dies werde auch ab dem 30. August in vielfältiger Weise geschehen.

Für den Termin der Buchpräsentation mobilisieren inzwischen Sarrazin-Kritiker zur Gegendemonstration. Das Bündnis "Rechtspopulismus stoppen" fordert, dass die Bundespressekonferenz dem Autor kein Podium bieten dürfe.

Sarrazin selbst sagte, der Verband der türkisch-deutschen Unternehmer habe nach dem Erscheinen des Vorabdrucks aus seinem Buch ein lange geplantes Gespräch abgesagt. Er erhalte aber zahlreiche Briefe und Mails von Menschen auch mit türkischen oder arabischen Namen, die ihn bestätigten und sagten, es sei richtig, was er sage.