Vorwurf

Mai-Krawalle: Schüler bestreiten Mordversuch

Ein 19-jähriger Gymnasiast hat gestern vor dem Landgericht den Vorwurf des versuchten Mordes an Polizisten bei den Maikrawallen bestritten. "Ich habe einen selbst produzierten Brandsatz geworfen, aber ich war sicher, dass ich Menschen nicht treffe oder gefährde", ließ der mutmaßliche Randalierer René L. zum Auftakt des Prozesses über seinen Anwalt verlauten. "Ich wollte niemanden in Lebensgefahr bringen. Wäre das so gewesen, hätte ich nicht geworfen."

Der Molotowcocktail schlug einen halben Meter vor den Polizisten auf - ohne zu zünden. Verletzt wurde niemand. Sein mitangeklagter Freund Benjamin W. (19) verweigerte die Aussage.

Die Schüler sitzen seit dem 3. Mai in Untersuchungshaft. Es ist bereits der zweite Prozess in Berlin wegen versuchten Mordes gegen mutmaßliche Randalierer bei den Maikundgebungen in Kreuzberg.

Im jüngsten Verfahren (Az.: 1 KAP Js 892/09 Kls) wirft die Staatsanwaltschaft den Heranwachsenden vor, den Tod von Polizisten "billigend in Kauf genommen" zu haben. Staatsanwalt Reinhard Albers zählte die ermittelten Straftaten der jungen Männer auf: In der Nacht zum 2. Mai sollen Benjamin W. und René L. gegen 0.35 Uhr an der Adalbertstraße, Höhe Hausnummer 18, inmitten Dutzender Randalierer gestanden haben. René L. habe den Rucksack seines Freundes geöffnet und eine 0,5-Liter-Flasche entnommen. In den Flaschenhals soll er einen Lappen als Docht gestopft, ihn angezündet und den Molotowcocktail sofort auf die vorbeiziehenden Bundespolizisten geworfen haben. Im Flug löste sich der Docht, und die Flasche zerschellte, ohne Schäden anzurichten, auf der Straße.

In einem Hinterhof sollen die Schüler - beide in Schwarz und mit Kapuzenpullovern bekleidet - zwei weitere Flaschen mit Brandbeschleuniger befüllt und verdeckt zur Straße transportiert haben. Dort wurden sie von Polizisten hinter der Plane eines MyFest-Standes festgenommen.

Der Anwalt von Benjamin W. vermutet hinter den Vorwürfen gegen seinen Mandaten eine "Inszenierung". "Politisch konservative Kreise üben in Zusammenhang mit den Maikrawallen Druck auf die Gerichte aus, damit sie abschreckende Urteile fällen", sagte Hubert Dreyling. Bereits aus technischen Gründen scheide der Vorwurf des versuchten Mordes gegen seinen Mandanten aus. "In den Fläschchen befand sich lediglich ein Gemisch aus Brennspiritus und Speiseöl." Die Polizisten hätten allesamt feuerfeste Kleidung getragen. Hinter der Tat vermute er lediglich ein "postpubertäres Imponiergehabe" eines Heranwachsenden. Staatsanwalt Albers sagte, die Molotowcocktails hätten bei den Beamten oder Passanten schwerste bis tödliche Verletzungen hervorrufen können. Sie seien gezielt in Richtung Polizisten geworfen worden. Das Verfahren wird am 29. September fortgesetzt.

"Die Angeklagten nahmen den Tod von Polizisten "billigend in Kauf""

Aus der Anklageschrift