Nahverkehr

Umsteigeknoten Gesundbrunnen wird zum Bahnhof

Der wichtigste Bahn-Umsteigeknoten im Norden Berlins soll nun doch noch ein richtiger Bahnhof werden. Wie die Deutsche Bahn gestern mitteilte, werden die Planungen für den Bau einer Empfangshalle auf dem Hanne-Sobek-Platz in Gesundbrunnen wieder aufgenommen.

Das bereits 1991 gestartete Projekt ist aus Kostengründen seit Jahren gestoppt. Nachdem die Bahn die Station bis 2006 für 110 Millionen Euro zum zehngleisigen Bahnhof für Nord-Süd-S-Bahn, Ringbahn, Regional- und Fernverkehr ausgebaut hatte, fehlte das Geld für die ursprünglich geplante Halle. Fahrgäste müssen deshalb bis heute beim Umsteigen vom Regional- oder Fernverkehrszug zur S-Bahn über die ungeschützte Bahnhofsplatte laufen. Informationsschalter fehlen ebenso wie wettergeschützte Wartebereiche. Tickets gibt es nur in einem Kiosk in der Mitte des grauen und zugigen Platzes.

Jens Wieseke, Sprecher des Berliner Fahrgastverbandes Igeb, nennt die Kundenbetreuung und Umsteigesituation am Bahnhof Gesundbrunnen "mehr als unbefriedigend". Bezirkspolitiker kritisieren die provisorische Gestaltung der Bahnhofsplatte seit Jahren als "städtebaulich nicht tragbar".

Das soll sich jetzt ändern. "Für die mehr als 100 000 Reisenden, die täglich am Bahnhof Gesundbrunnen ein-, aus- oder umsteigen, wollen wir mit dieser Investition in Millionenhöhe mehr Reisekomfort und Aufenthaltsqualität schaffen", sagte Uwe Marxen, Leiter des Regionalbereiches Ost der Bahntochter DB Station&Service. Neben elektronischen Fahrtzielanzeigern in der Halle sind auch Serviceeinrichtungen für die Kunden - wie Info- und Fahrkartenschalter, Einkaufsmöglichkeiten und Gastronomie - in den Planungen enthalten. Auf dem Dach soll eine Solaranlage für umweltfreundliche Energie sorgen. Gespräche mit Herstellern laufen bereits.

Die Entwurfsplanung für die Halle hat jetzt begonnen. Sollten die nötigen Genehmigungen der Behörden von Land und Bezirk schnell genug vorliegen, könnte der Bau nach Angaben eines Bahnsprechers frühestens Ende 2011 beginnen. Voraussichtlich im Frühjahr 2013 könnten die ersten Reisenden bestenfalls durch die neue Halle flanieren. Vorausgesetzt allerdings, dass der Vorstand des Bahn-Konzerns das Millionen-Projekt seines Tochterunternehmens nach Abschluss der Planungen auch absegnet. Und das hängt vor allem von den Kosten ab, wie ein Sprecher bestätigt. Nach Informationen der Berliner Morgenpost werden die nötigen Investitionen derzeit auf knapp unter zehn Millionen Euro geschätzt.

Fahrgastvertreter Wieseke begrüßte die zweite Chance für die alten Planungen. "Das ist eine richtige und längst überfällige Entscheidung der Bahn. Eine moderne Empfangshalle entspricht ganz einfach der tatsächlichen Bedeutung des Bahnhofs", sagte Wieseke - und hat gleich noch einen Wunsch für die architektonische Gestaltung. Der noch von Alfred Grenander entworfene benachbarte U-Bahnhof der Linie U 8 sollte möglichst mit einbezogen werden.