Integration

"Verletzende Polemik": Ausländerbeauftragte greift Sarrazin an

Der frühere Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) wird wegen neuerlicher kritischer Anmerkungen über Migranten heftig attackiert.

Die Ausländerbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU), warf dem Bundesbanker gestern "pauschale Polemik gegen muslimische Migranten" vor, die "diffamierend und verletzend" sei. Sarrazin wirft Migranten vor, sich nicht in die deutsche Gesellschaft integrieren zu wollen und mehr Kosten zu verursachen als Nutzen zu bringen.

Böhmer sagte, Sarrazins Behauptungen seien wissenschaftlich nicht haltbar. So gebe es keine Studien, die eine grundsätzliche mangelnde Integrationsbereitschaft der Muslime in Deutschland belegten. Auch blende er positive Entwicklungen komplett aus. So hätten seit 2005 mehr als 600 000 Migranten an Integrationskursen teilgenommen, um Deutsch zu lernen. Zudem habe eine Studie gezeigt, dass bei gleicher Leistung und ähnlichem sozialen Hintergrund türkische Kinder häufiger auf die Realschule oder das Gymnasium wechselten als deutsche Kinder.

SPD-Chef Sigmar Gabriel sagte, Sarrazins Sprüche seinen zum Teil "dämlich" und die Sprache mitunter "gewalttätig". Er werde prüfen, ob Sarrazin mit seinen Äußerungen bestimmten Bevölkerungsgruppen bestimmte Charakterzüge zuweise. Dies wäre dann "rassistisch".

Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Volker Beck warf Sarrazin gar "Hasstiraden" vor. "Wem auf gesellschaftliche Herausforderungen in einer multikulturellen Demokratie nur Beschimpfungen der ohnehin schon Benachteiligten einfallen, hat nicht verstanden, dass Integration ein wechselseitiger Prozess ist", so Beck.