Nahverkehr

Rückkehr zum Normalfahrplan der S-Bahn wackelt

Fährt die S-Bahn im Dezember wie angekündigt wieder nach dem Normalfahrplan? Kenner des Unternehmens halten das für unwahrscheinlich.

Nach Informationen der Berliner Morgenpost fehlt es noch am nötigen Fachpersonal, um alle Sicherheitsüberprüfungen an den Zügen ohne Verzögerungen zu erledigen. Ein weiteres Problem: Für die Fahrzeuge der Baureihen 485 und 481 müssen neue Räder und Achsen beschafft werden. Erst jüngst wurde der Auftrag für 466 Achsen der als "Cola-Dosen" bekannten 485er-Züge ausgeschrieben. Ob die Industrie in der Lage ist, in wenigen Monaten die Teile zu liefern, ist aber fraglich. Und nur durch neue und nachweislich dauerfeste Räder und Achsen kann die S-Bahn den enormen Wartungsaufwand auf Dauer reduzieren.

Ein S-Bahn-Sprecher räumte gestern ein, dass es "technische Risiken" bei der geplanten Rückkehr zum Regelfahrplan gebe. Allerdings halte man derzeit noch daran fest, dass zum Fahrplanwechsel am 13. Dezember wieder auf allen Linien planmäßig gefahren werde. Für den Normalbetrieb mit teilweise verkürzten Zügen würde die S-Bahn täglich 501 einsatzfähige Doppelwagen benötigen. Derzeit sind täglich etwa 420 dieser sogenannten Viertelzüge unterwegs. Nach Angaben des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB) kann die S-Bahn damit aktuell nur etwa 71 Prozent ihrer Flotte einsetzen.

Staus in den Werkstätten

S-Bahn-Mitarbeiter berichten von immer noch anhaltenden Staus vor den Werkstätten. Grund: Qualifiziertes Fachpersonal für die regelmäßigen Ultraschall- und Wirbelstromprüfungen, mit denen Risse an den Rädern und Radsatzwellen rechtzeitig entdeckt werden können, ist auf dem Arbeitsmarkt nur schwer zu bekommen. "Gute Leute wachsen nun mal nicht auf Bäumen", sagte ein Mitarbeiter. Zwar laufe intern ein Qualifizierungsprogramm, doch dauere die Ausbildung eben ihre Zeit. "Ich werde mit jedem Tag skeptischer, ob wir im Dezember wieder normal fahren können", so der S-Bahner.

Offiziell bestreitet das Unternehmen den Mangel an Fachpersonal. Ein neues Werkstattkonzept ist nach Angaben eines Sprechers noch in Arbeit. Zu den Details wollte er sich nicht äußern. Nach Informationen der Morgenpost wird aber unter anderem über eine Neuorganisation der Arbeitszeiten nachgedacht. S-Bahn-Arbeitsdirektor Christoph Wachendorf hatte erst im Juli bei einer Mitarbeiterversammlung darauf hingewiesen, dass zu viele Züge zu den Hauptverkehrszeiten wegen Wartungsterminen ausfallen.

Ein schlüssiges Konzept für die Instandhaltung und Qualitätssicherung erwartet vor allem das Eisenbahn-Bundesamt (EBA). Die Aufsichtsbehörde muss Ende 2010 über eine Verlängerung der Betriebserlaubnis entscheiden. Im Herbst will die S-Bahn die neue Lizenz beantragen. Im Vorjahr hatte das EBA die Genehmigung nach zahlreichen Wartungspannen, technischen Problemen und Sicherheitsmängeln nur um zwölf Monate verlängert. Jetzt gibt sich die S-Bahn zuversichtlich. "Nach Umsetzung der bereits initiierten Maßnahmen im Instandhaltungsbereich gehen wir davon aus, im Jahr 2010 eine langfristige Betriebserlaubnis erteilt zu bekommen", heißt es im Geschäftsbericht des Unternehmens.