Gedenkort

"Parlament der Bäume" wird doch kein Denkmal

Berlins Baumpate nimmt kein Blatt vor den Mund. "Ich habe die Schnauze voll", sagt Ben Wagin in seiner direkten Art. "Die schwingen alle immer große Reden, aber wenn's drauf ankommt, kneifen sie." Wagin spricht von der mangelnden Unterstützung der Politiker für die dauerhafte Sicherung seines "Parlaments der Bäume gegen Krieg und Gewalt".

Vor 20 Jahren hat Aktionskünstler Wagin den Gedenkort für die Opfer des Krieges und die Mauertoten am Schiffbauerdamm, Ecke Adele-Schreiber-Krieger-Straße angelegt. 58 originale Mauerteile und Steinplatten mit eingravierten Namen erinnern an Mauertote, Bäume mahnen zum Frieden.

Beim 80. Geburtstag des Baumpaten Wagin am 25. März hieß es, dass sich eine parteiübergreifende Initiative im Bundestag für den Denkmalschutz des Gedenkortes im Regierungsviertel einsetzen wird. Ob Grünen-Politiker wie der Europaabgeordnete Michael Cramer, die Vorsitzende des Kulturausschusses im Bundestag, Monika Grütters (CDU), oder Berlins Kulturstaatssekretär André Schmitz (SPD) - alle waren sich einig, das Parlament der Bäume dauerhaft zu retten. Doch nach der Sommerpause bringen jetzt nur noch die Grünen einen entsprechenden Antrag im Bundestag ein. Ziel der Grünen ist es, das bundeseigene Grundstück des Parlaments der Bäume aus der Bauvorhabenplanung des Bundes herauszunehmen und den Gedenkort zum Kulturdenkmal zu erklären. Ein Gruppenantrag scheiterte, weil sich in den Fraktionen von SPD und CDU keine Mehrheit fand.

Enttäuschung bei den Grünen

"Das ist schon eine peinliche Nummer", sagt die Bundestagsabgeordnete der Grünen, Agnes Krumwiede, die sich im Kulturausschuss für den dauerhaften Schutz von Wagins Gedenkstätte starkmacht. "Das einzig erhaltene Originalmauersegment im Regierungsviertel muss gesichert werden", fordert die Abgeordnete. Dem schließt sich Monika Grütters an. Die CDU-Bundestagsabgeordnete bedauerte gestern, dass es auch in ihrer Partei nicht für die Mehrheit eines gemeinsamen Antrags aller Fraktionen gereicht habe. Sie habe Verständnis für wirtschaftliches Denken, da es sich um ein Filetgrundstück im Regierungsviertel handele, sagt Grütters. Dennoch habe sie in der CDU für die Priorität des Denkmalschutzes plädiert. "Ich hätte mir gewünscht, dass Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) unser Bemühen unterstützt, das Grundstück nicht länger für Bauvorhaben des Bundestags frei zu halten und den Ort dauerhaft zu schützen", sagt Monika Grütters. "Gerade in diesem Jahr, in dem wir Ben Wagins 80. Geburtstag gefeiert haben und das 20. Jahr der deutschen Einheit noch feiern werden, wäre das mehr als angebracht gewesen."

Unterstützung für den Grünen-Antrag verspricht die Linke. "Wir finden das wichtig", sagte gestern Bundestagsabgeordnete Lukrezia Jochimsen. Ben Wagin habe einen authentischen Ort gerettet, ein Naturprojekt integriert "und am Rande des Parlaments mit seinem Parlament der Bäume einen wunderbaren demokratischen Gedanken realisiert", so Jochimsen.

Ben Wagin selbst ist unterdessen mit seiner Geduld am Ende: "Wenn mein 20-jähriges ehrenamtliches Engagement nicht dauerhaft gewürdigt wird, kann ich meine Arbeit auch einstellen."