Schulreform

Und wieder klappt es nicht

In Berlin lebe ich seit 25 Jahren, nicht ganz so lange beschäftige ich mich mit der Bildungspolitik. Aber ich habe seit 1990 schon viele Schulsenatorinnen und -senatoren in Berlin erlebt - Sybille Volkholz von den Grünen, Jürgen Klemann (CDU), dann über die verschiedenen Legislaturperioden hinweg die SPD-Senatoren Ingrid Stahmer, Klaus Böger, Jürgen Zöllner.

Und jedes Jahr kurz vor Ende der Sommerferien teilte der jeweilige Politiker dann mit, wie gut die Schulen auf das neue Schuljahr vorbereitet seien, warum es genügend Lehrerinnen und Lehrer gebe, wieso die gerade beschlossene Reform auch wirklich funktionieren werde. Das Dumme: Es fehlten immer Lehrer, es fiel natürlich sofort wieder Unterricht aus, und - wie das so ist in Berlin - nicht jede Reform funktionierte reibungslos. Auch in diesem Jahr ist das leider wieder so.

Bildungssenator Jürgen Zöllner, der noch vor seinem Amtsantritt im Jahr 2006 als Supersenator gefeiert wurde, kündigte vor wenigen Tagen einen reibungslosen Schulstart an. Es würden zwar Lehrer fehlen, so der Bildungssenator, aber die Schulen würden eben auch mit zu hohen Schülerzahlen planen. Man stelle sich vor, ein Unternehmen würde sich solch eine Fehlplanung erlauben wie die Bildungsverwaltung. Zöllner und seine vielen Mitarbeiter sind doch dazu da, für eine ausreichende Personalausstattung in den Schulen zu sorgen, den Überblick über die Schülerentwicklung, über die verschiedenen Schulstandorte, die Profile der Einrichtungen und eben auch über die Sanierungspläne der jeweiligen Bezirke zu haben. Es ist wirklich nicht nachvollziehbar, warum in jedem Jahr wieder Lehrerinnen und Lehrer fehlen. Die Gewerkschaft GEW spricht von 250 Pädagogen, die jetzt fehlen würden. Vor allem in den Naturwissenschaften. Wundert sich wirklich noch jemand über das schlechte Abschneiden Berlins bei den diversen Bildungsstudien?

Für die Lehrer, Eltern, Kinder und Jugendlichen beginnt dieses Jahr mit einer neuen Herausforderung: Die neue Sekundarschule ist nun eingeführt, die Trennung in Haupt- und Realschule abgeschafft. Von den insgesamt 320 000 Schülern in Berlin besuchen nun 12 000 Siebtklässler diese neue Sekundarschule. Hoffen wir, dass sie funktioniert, dass dort wirklich alle Schüler gefördert werden, dass der Bildungserfolg bald nicht mehr von der sozialen Herkunft abhängt. Es ist eine Hoffnung - angesichts der Leistungen der Schulverwaltung leider nicht mehr.