Suchtkranke

Drogenmobil parkt vor Kita und Seniorenheim

Es gibt einmal mehr Aufregung um das Drogenmobil am Kottbusser Tor. Nach Protesten von Anwohnern und Händlern waren die zwei Busse des Vereins Fixpunkt erst am Freitag rund 50 Meter weiter in die Reichenberger Straße 176 gerückt.

Doch auch dort auf der Feuerwehreinfahrt sind die Fahrzeuge zur Versorgung und Betreuung der Drogenabhängigen nicht willkommen. Denn in unmittelbarer Nähe liegt der Ina-Kindergarten, der über eben diese Feuerwehrzufahrt und eine anschließende Privatstraße zu erreichen ist. 160 Kinder besuchen die Einrichtung, die seit mehr als 20 Jahren existiert. Zudem befindet sich in der Reichenberger Straße 176 ein Seniorenwohnheim.

"Wir wehren uns dagegen", sagt Kita-Leiterin Ilse Ziess-Lawrence. Der Bürgersteig sei zugestellt. "Die Fahrzeuge stehen so, dass Eltern mit Kinderwagen und Fahrrad kaum vorbei kommen, ebenso ältere Menschen mit Rollator oder Rollstuhl", beschreibt sie die Zustände. Außerdem sei die beengte Situation auf der Feuerwehrzufahrt, "menschenunwürdig" für die Hilfesuchenden. Die Suchtkranken, meint die Kita-Leiterin, wollten nicht nur Hilfe. "Sie suchen auch soziale Kontakte, trinken Bier und bringen ihre Hunde mit."

Sozialstadtrat Knut Mildner-Spindler (Linke) hingegen verteidigt die Verlegung der Fahrzeuge an den neuen Standort. Dieser sei als Ergebnis einer Bürgerversammlung und auf Anraten der Polizei ausgewählt worden. Zuvor hätten die Fahrzeuge zu dicht am Markt und den Geschäften am Kottbusser Tor gestanden. "Wir haben lange nach einem geeigneten Platz gesucht." Zugunsten des Drogenmobils sei befristet das Parkverbot an der Feuerwehrzufahrt aufgehoben worden. Im Juni habe das Bezirksamt auf einer Bürgerversammlung den geänderten Standort vorgestellt. Anwohner seien mit einem Flyer informiert worden.

Für Mildner-Spindler ist es "schwer zu verstehen, dass die Helfer verdrängt werden sollen". Außerdem sei das Drogenmobil nicht täglich und nur befristet präsent. Drei Mal in der Woche, jeweils für drei oder vier Stunden am Nachmittag können Suchtkranke Spritzen tauschen, werden beraten und über Hilfsangebote informiert. Der Stadtrat sagt, er werde in der kommenden Woche gemeinsam mit Jugendstadträtin Monika Herrmann (Grüne) das Gespräch mit der Leitung des Kindergartens suchen.

Doch die Kita besteht darauf, dass ein anderer Standort für das Drogenmobil gefunden wird. Geeignet sei etwa ein leer stehendes Café an der Admiralstraße Ecke Skalitzer Straße, sagt die Kita-Leiterin. "Man muss einen festen Ort finden, denn bisher werden die Drogenabhängigen immer hin und her geschoben." Sie hat einen Brief an Stadtrat Mildner-Spindler geschrieben, an den Bürgermeister von Friedrichshain-Kreuzberg, Franz Schulz (Grüne), und an den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). "Wir werden auch die Eltern unserer Kinder auffordern zu protestieren." Außerdem wolle sich die Kita in dieser Angelegenheit mit dem Seniorenwohnheim verbünden.