Stadtförderung

Millionen für Moabit

Mit fast 27 Millionen Euro aus dem Programm "Aktive Stadtzentren" wollen Senat und Bezirk den Abwärtstrend der Turmstraße in Moabit stoppen und die Einkaufsmeile rund um das Rathaus wieder attraktiver machen.

Immerhin wohnen in dem Fördergebiet rund 13 000 Menschen. 80 Prozent der Kinder und Jugendlichen haben einen Migrationshintergrund. Nicht nur die Markthändler in der Arminius-Halle gleich hinter dem Rathaus Tiergarten warten auf die Verbesserungen, auch Anwohner wie Herbert Rabe von der Interessengemeinschaft "Wir für die Turmstraße" atmet auf, wenn es endlich losgeht: "Wir wohnen gerne hier. Es gibt eine sehr internationale Sozialstruktur. Der Ton ist hart, aber herzlich."

Ein wichtiger Mosaikstein im Puzzle, mit dem die Gegend in den kommenden 15 Jahren aufgewertet werden soll, ist die Grünschneise mit dem Ottopark und dem Kleinen Tiergarten zwischen der Turmstraße und Alt-Moabit. Dort gibt es nach Auskunft von Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD) genauso wie am Leopoldplatz Probleme mit Alkoholikern und auch Drogenhändlern. Sozialarbeiter sollen sich künftig um diese Probleme kümmern. Damit die teils zugewachsenen Grünflächen wieder durchlässiger werden und besser von der Bevölkerung angenommen werden, hatte die Senatsverwaltung bereits einen Wettbewerb ausgelobt, den die Landschaftsarchitekten "Latz + Partner" aus Süddeutschland gewonnen haben.

Arbeiten beginnen in Kürze

"Als der Park mit dem Kleinen Tiergarten Ende der 50er-Jahre gebaut wurde, sollte die Stadt ausgeblendet werden. Heute geht es darum, Menschen zusammenzubringen, aber auch darum, soziale Kontrolle zu ermöglichen", erläuterte Tilman Latz gestern bei einem Rundgang. Weniger Zäune, weniger Sträucher sollen die Grünflächen durchlässiger und benutzbar machen. Im Bereich der Ottostraße wird ein Spielplatz angelegt, an der Stromstraße entsteht eine Terrasse mit Café. Kosten für diese Arbeiten: 2,37 Millionen Euro. Mit der schrittweisen Umsetzung soll noch in diesem Jahr begonnen werden, so die Behörde. Andreas Wilke vom Koordinationsbüro für Stadtentwicklung und Projektmanagement will auch an der Arminius-Markthalle Zeichen setzen.

Der neue Pächter, die Zunft AG, der demnächst ohne Betriebsunterbrechung im Innern umbauen will, soll auch draußen ein attraktives Umfeld erhalten. Es gibt Überlegungen, die Kolonnaden wieder aufzubauen, um dort Cafés anzusiedeln. Außerdem soll die Gegend verkehrsberuhigt werden, und die parkenden Autos vor den Ladengeschäften in der Bremer und Jonastraße sollen weichen, damit Passanten dort besser flanieren können.

Beim nahen Schultheiss-Areal gibt es nach Auskunft von Gothe inzwischen zwar ein abgestimmtes Konzept mit dem Investor, aber die Finanzierung des Projekts sei wohl ins Stocken geraten.

Der im Moment noch tosende Verkehr auf der Turmstraße soll künftig statt zwei- nur noch einspurig fahren. Der Platz kommt den Radfahrern zugute. Für das Verkehrskonzept "Boulevard Turmstraße" sind 1,9 Millionen Euro eingeplant. Die Arbeiten sollen 2012 beginnen. "Damit wird die Straße für Fußgänger und Radfahrer sicherer, Gehwegvorstreckungen und Mittelinseln werden Passanten das Überqueren leichter machen", sagte Staatssekretärin Hella Dunger-Löper.

Neuer Park mit Ateliers

Das ist noch nicht alles. In Moabit werden noch weitere Parks und Grünflächen neu angelegt oder verschönert. Im September sollen die Arbeiten für den Moabiter Stadtgarten nahe der Siemensstraße beginnen. Etwa 1,5 Millionen Euro stehen aus Mitteln des Programms Stadtumbau West zur Verfügung. Das Grundstück sei der Deutschen Bahn abgekauft worden, sagt Stadtrat Gothe. Auf dem Gelände sei ein alter Güterbahnhof mit Kellergewölbe erhalten. "Der Abriss wäre zu teuer geworden." Der Verein Kunstrepublik wolle den Bahnhof nutzen und Ateliers einrichten, in denen Kunststudenten aus aller Welt arbeiten können. 60 Bäume werden gepflanzt. Der Park soll 2011 fertig sein. Zwei Millionen Euro fließen in den Fritz-Schloß-Park auf dem Gelände des Poststadions in Moabit. Zwei alte Spielplätze werden Gothe zufolge erneuert. Nahe dem Eingang Turmstraße wird ein Kiosk gebaut. Dort soll der Verleih für die Minigolfanlage untergebracht werden. Die Zugänge zum Park, die derzeit nicht deutlich erkennbar sind, sollen durch Skulpturen besonders hervorgehoben werden. Die Arbeiten werden in drei Bauabschnitten ausgeführt und dauern voraussichtlich bis September 2011.