Steigende Gehälter trotz Krise

499 000 Euro für den Messe-Chef

Der Steuerzahlerbund Berlin hält die Einkommen der Chefs der landeseigenen Unternehmen für mehr als üppig. "Gehälter, die sich weit oberhalb der Bezüge der Bundeskanzlerin bewegen, sind für die Chefs kommunaler Unternehmen mit höchstens ein paar Tausend Mitarbeitern nicht zu rechtfertigen", sagte der Vorsitzende Alexander Kraus.

Die meisten Landesunternehmen erbrächten schlicht staatliche Dienstleistungen der Daseinsvorsorge. Da dürften die Chefs nicht mehr verdienen als die zuständigen Senatoren. Diese bekommen in etwa so viel wie Zoodirektor Bernhard Blaszkiewitz: 130 700 Euro. "Dass man bei Messe und IBB auch etwas verdient, ist vielleicht am ehesten gerechtfertigt", sagte Kraus. Bei den kommunalen Wohnungsgesellschaften sei das anders. Hier klafft das Gehaltsniveau weit auseinander. Gesobau-Vorstand Jörg Franzen bekam 286 500 Euro. Bei der Degewo lag das Duo Christoph Beck und Frank Bielka bei 267 000 bzw. 264 000 Euro. Beide erhielten in etwa das, was WBM-Chef Lars Ernst kassierte. Andere Manager machen es billiger. So verdienten die Bosse der Howoge oder der Stadt und Land fast 100 000 Euro weniger als die Kollegen.

Über die Bezüge des Berliner Messe-Chefs Raimund Hosch wird aber schon lange gestritten. Das war auch so, als der Manager 2008 noch mit 459 000 Euro im Jahr nach Hause ging und damit nach dem früheren Chef der Investitionsbank Berlin der am besten bezahlte Boss eines Landesunternehmens war. Die Grünen fordern mindestens ebenso lange, die Bezüge der Berliner Messe-Chefs an dem an vergleichbaren Messeplätzen Üblichen zu orientieren. In München oder Köln verdienen die Chefs der kommunalen Messe-Gesellschaften jeweils rund 300 000 Euro.

Dieses Niveau hat Hosch aber im Jahr 2009 bei Weitem hinter sich gelassen. 499 000 Euro kassierte Hosch und lag im Krisenjahr mit einem Gehaltssprung von acht Prozent an der Spitze aller Berliner Staatsmanager.

Insgesamt wuchsen deren Bezüge nach einer Recherche der Nachrichtenagentur dpa um 2,5 Prozent. Damit ging es den Chefs der kommunalen Betriebe, deren Schuldenstand im fraglichen Zeitraum um 100 Millionen Euro wuchs, besser als den Normalbürgern. Die durchschnittlichen Löhne und Gehälter in der Hauptstadt wuchsen zwar entgegen dem Bundestrend ebenfalls. Aber nur um 0,8 Prozent. Im Durchschnitt verdienen abhängig Beschäftigte in Berlin 27 444 Euro.

In der Gehaltsliga des Messe-Chefs Hosch spielen in Berlins Unternehmen nur noch der Chef der Investitionsbank, wobei der Posten an der Spitze der Förderbank 2009 von Dieter Puchta auf Ulrich Kissing überging. Sogar Hoschs Mit-Vorstand Christian Göke ist mit einem Salär von 398 000 Euro deutlich besser bezahlt als die Chefs anderer Staatsfirmen.

Im Vergleich werden die Berliner Staatsmanager großzügig bezahlt: Die "Süddeutsche Zeitung" berichtete kürzlich über das Niveau in München, allerdings für 2008. Der Flughafenchef verdient deutlich weniger als in Berlin. Der Stadtwerke-Chef lag 20 000 Euro unter dem Niveau der Berliner Wasserbetriebe, denen Chef Jörg Simon seinerzeit 337 000 Euro wert war, 2009 waren es 4000 Euro mehr. Der Chef der Stadtsparkasse lag 100 000 Euro hinter dem IBB-Boss. Münchens kommunale Wohnungsmanager können von Gehältern an die 300 000 Euro wie in Berlin nur träumen. Für ungefähr das Geld, das der Chef der Städtischen Kliniken in München verdiente (183 000 Euro, halb so viel wie der Vivantes-Chef), managt Klaus Lipinsky gerade mal die Berliner Bäderbetriebe.