Hundeverbot

Protokoll des Scheiterns

Seit vergangener Woche gilt das verschärfte Hundeverbot in Friedrichshain-Kreuzberg: Bußgelder in Höhe von 50 Euro und Platzverweise drohen Besitzern, die ihre Vierbeiner auf dem Boxhagener Platz, Traveplatz und Annemirl-Bauer-Platz, am Märchenbrunnen und am Bachlauf im Volkspark Friedrichshain sowie auf der Weberwiese herumtollen lassen.

Vor allem das Hundekot-Problem soll so bekämpft werden. Dass das Verbot bisher nichts bringt, zeigt das Wochenend-Protokoll der Morgenpost:

Sonnabend, 11.39 Uhr, Boxhagener Platz: Anwohner Kurt Ulrich (55) lässt seinen Mischlingshund Daddy ohne Leine herumlaufen. "Ich komme hier seit zehn Jahren jeden Tag her. Daddy macht nie auf die Wiese." Mitarbeiter des Ordnungsamtes treffe er hier selten an. "Nur ein Mal hat mir einer von denen gesagt, dass ich meinen Hund an die Leine nehmen soll." Dass ihn der Bezirk zukünftig härter bestrafen könnte, macht Ulrich wütend: "Auf meinen Hund lasse ich nix kommen. Die sollen ruhig anrücken!", schreit er.

Sonnabend, 12.47 Uhr, Boxhagener Platz: Die Studentin Jessica Meier (22) ist mit ihrem Mischling Benni hier. Eine Tüte für Hundehaufen hat sie immer dabei. "Alle Hundebesitzer hier gehen doch auf den Boxi", sagt sie. "Wo soll man denn sonst mit den Tieren hin?" Sinnvoller als das Hundeverbot sei es, die Zahl der Kottütenspender zu erhöhen. "Aber solange der Bezirk nicht schärfer kontrolliert, ändert sich sowieso nichts."

Sonnabend, 13.52 Uhr, Bachlauf im Volkspark Friedrichshain: Hündin Shila trinkt das Wasser, das den Bachlauf herunterfließt. Ihre Besitzerin Martina Zielkowska (26) weiß, dass sie mit dem Tier nicht in den eingezäunten Bereich darf. "Das Verbot ignoriert hier aber jeder", sagt die Sozialpädagogin. Sie fühlt sich durch die Verbotsverschärfung im Bezirk "diskriminiert": "Ich zahle Hundesteuer, habe immer Tüten für die Haufen dabei." Vor Strafen fürchtet sie sich nicht. "Falls Leute vom Ordnungsamt auftauchen, fahre ich schnell mit dem Fahrrad davon."

Sonnabend, 15.17 Uhr, Märchenbrunnen im Volkspark Friedrichshain: "Das Hundeverbot gibt's hier schon lange", erzählt Yvonne Freytag (47). Dennoch geht sie mit ihrem Sheltie-Bologneser-Mischling Sally öfters am Märchenbrunnen entlang. "Das Hundeauslaufgebiet im Volkspark ist ein Witz." Auch die Leinenpflicht im Volkspark beachtet sie, wie die meisten Hundebesitzer, nicht: "Das kann 35 Euro kosten, aber das Ordnungsamt habe ich hier noch nie gesehen."

Sonntag, 11.19 Uhr, Boxhagener Platz: Künstler Michael D. (49) kommt mit seinem Setter-Spaniel-Mischling Maxi regelmäßig hierher. Das Verbot stört ihn: "Der Bezirk kann die Hunde nicht pauschal verbannen, nur die wenigsten machen Ärger", findet er. Er will hier auch weiterhin mit Maxi herumlaufen.

Sonntag, 12.41 Uhr, Weberwiese: Die Grünfläche an der Karl-Marx-Allee ist der einzige neue der sechs Verbotsbereiche. Ein junger Mann lässt seinen Schäferhund sein Geschäft verrichten, sammelt den Haufen dann mit einer Tüte wieder auf. Er meint nur: "Das Verbot ändert gar nichts. Nur Politikergerede."

Viele Hundebesitzer kümmert das schärfere Hundeverbot gar nicht: Wie Bezirksvizebürgermeister Peter Beckers (SPD) sagte, ist es schwer, die neue Regelung durchzusetzen. Denn Hundehalter könnten Mitarbeiter des Ordnungsamtes schon von Weitem an ihren Uniformen erkennen - und rechtzeitig flüchten.