Protest

Charité: Aufstand gegen Großlabor

Der Vorstand der Universitätsklinik Charité und die Geschäftsführung des landeseigenen Klinikbetriebs Vivantes hüllen sich in Schweigen. Offiziell gibt es kein Statement zum geplanten gemeinsamen Laborprojekt.

Doch innoffiziell war zu erfahren, dass der Charité-Vorstand plane, seine Labormedizin auszulagern und mit dem Großlabor des Vivantes-Konzerns zusammenzulegen sowie eine gemeinsame Labor-GmbH zu gründen. Es heißt, das neue privatisierte Großlabor soll am Weddinger Campus Virchow-Klinikum der Charité entstehen. Dafür werde auch ein neues Gebäude nötig sein. Kosten: etwa 24 Millionen Euro.

Aber schon jetzt laufen die betroffenen Professoren an der Charité Sturm. Acht Hochschulprofessoren, Direktoren und Leiter der diagnostischen Labore der Charité haben sich in einem Brief an den Charité-Vorstand gegen eine Labor-GmbH ausgesprochen. "Wir möchten hier erklären, dass wir das Fusionsmodell als nicht geeignet für die Charité ansehen", heißt es dort.

Eine solche Fusion sei mit "einer Vielzahl von entscheidenden und gravierenden Nachteilen für die Charité verbunden", so die Professoren. Sie vertreten unter anderem die Bereiche medizinische Virologie, Laboratoriumsmedizin, Genetik und Rheumatologie. Sobald diese diagnostischen Labore keine Verankerung mehr in der Universitätsmedizin hätten, wäre dies mit einem Verlust der Forschungsmöglichkeiten verbunden. Die klinisch-theoretischen Fächer verlören ihren akademischen Status. Bei einer Trennung von Lehre, Forschung und Krankenversorgung werde es künftig schwierig, noch qualifiziertes wissenschaftliches Personal für diese Fächer zu bekommen.

"Forschung und Lehre gefährdet"

Auch auf die Lehre, Aus- und Weiterbildung wirke sich ein GmbH-Modell negativ aus, so die Uni-Wissenschaftler. In vielen Fachdisziplinen sei die Weiterbildung im Labor Pflichtbestandteil bei der Ausbildung zum Facharzt. In einer GmbH sei die Rotation unter der Leitung der jeweils fachkompetenten Personen nicht sichergestellt.

Die Charité zeichne aus, dass sie neueste diagnostische Verfahren einführen könne. Damit grenze sie sich von anderen Kliniken ab. Durch kostenlose Weitergabe ihres Wissens gefährde sie die eigene Konkurrenzfähigkeit und Alleinstellungsmerkmale. "Ein Know-how-Transfer an Vivantes praktisch zum Nulltarif halten wir für gefährlich", warnen die Dozenten.

400 Mitarbeiter wären von der Fusion betroffen, davon 240 in der Charité. Der Charité-Personalrat sieht in dem GmbH-Modell keine Perspektive für die Beschäftigten und will Unterschriftenaktionen der Mitarbeiter gegen die Labor-GmbH unterstützen. "Wir werden den Betroffenen raten, gegebenenfalls gegen ihre Überführung in eine GmbH zu klagen", kündigt der Vorsitzende des Fakultätspersonalrats, Christoph Berndt, an.