Friedrichshain-Kreuzberg

Hunde müssen draußen bleiben

Friedrichshain-Kreuzberg hat die Hunde aus Parks und von mehreren Plätzen verbannt. Ab sofort und ohne Ausnahme. Wer sich nicht an die neue Regelung hält, muss mit Bußgeld rechnen. 50 Euro drohen den Besitzern.

Das Hundeverbot gilt auf der Weberwiese und am Annemirl-Bauer-Platz an der Sonntagstraße, am Boxhagener Platz und am Traveplatz, am Märchenbrunnen und am Bachlauf im Volkspark Friedrichshain. Damit hat der Bezirk das Hundeverbot auf mehr Flächen als bisher ausgedehnt. Vorher gab es nur Regelungen für Teilfächen, wie beispielsweise am Kollwitzplatz in Prenzlauer Berg. Oder am Boxhagener Platz in Friedrichshain.

Jessica Kölzer (29) aus Friedrichshain gefällt diese neue Regelung gar nicht. Sie sagt, das sei schon "ein bisschen blöd". Schließlich gehe sie jeden Tag hierher, an den Boxhagener Platz, zusammen mit ihrer Tochter, ihrem Sohn und Hund Easy, einem fünfjährigen Shih Tzu. "Meine Kinder treten hier häufiger in Glasscherben oder in Zigarettenkippen als in Hundekot", sagt Jessica Kölzer. Ein paar Meter weiter tollen vier Hunde über die Wiese am Boxhagener Platz - trotz Verbots. Ihre Besitzer, einige Punks, spielen mit den Tieren, zupfen an Gitarren, trinken. Doch kein Ordnungsamtmitarbeiter kommt vorbei. Keiner, der das neue Hundeverbot kontrolliert.

Andreas Klippe dagegen kann durchaus verstehen, warum dieses neue Verbot erlassen wurde. "Schließlich gibt es hier doch genügend Hundeplätze", sagt der 48-Jährige. Und das, obwohl er selber schon einmal Bußgeld zahlen musste, 20 Euro. "Weil ich mit Miss Marple ohne Leine joggen war", sagt Klippe und meint damit seine zwölfjährige Schäferhund-Husky-Dame.

Probleme in Marzahn-Hellersdorf

Der nächste Bezirk, der ein Hundeverbot in Parks und auf Plätzen erlassen könnte, ist Marzahn-Hellersdorf. Zumindest, wenn es nach Christian Gräff (CDU) geht. Gräff ist Bezirksstadtrat für Wirtschaft, Tiefbau, Bürgerdienste und öffentliche Ordnung in Marzahn-Hellersdorf. "Als Ordnungsamtstadtrat würde ich eine solche Regelung für Parkanlagen durchaus begrüßen", sagt der CDU-Politiker. Ein derartiges Verbot in Marzahn-Hellersdorf gebe es bislang noch nicht, sagt Gräff. Bislang sei eine solche Regelung auch nicht konkret geplant.

Die Bezirksbürgermeisterin von Charlottenburg-Wilmersdorf, Monika Thiemen (SPD), kann das Hundeverbot durchaus nachvollziehen. "Klar, wenn da einige Hundehalter in Friedrichshain-Kreuzberg über die Stränge schlagen." In Charlottenburg-Wilmersdorf sei dies aber kein Problem. "Wir haben wirklich genügend Gebiete, in denen sich die Hunde richtig austoben können, wie im Volkspark Wilmersdorf, an der Jungfernheide, bei der Bundesallee und in der Nähe der Reichsstraße." Deshalb denke sie auch nicht über Hundeverbote in Parks oder auf Plätzen nach. Das Bezirksamt hat anderes vor. "Unser Baustadtrat plant sogar, die Auslaufgebiete für Hunde noch weiter auszubauen", sagt Thiemen.

Der Bezirksbürgermeister von Steglitz-Zehlendorf, Norbert Kopp (CDU), hat dagegen schon gehandelt, wenn auch nicht ganz so drastisch wie sein Friedrichshain-Kreuzberger Kollege. "Demnächst werden Badeverbotsschilder an den Badestellen am Schlachtensee und an der Krummen Lanke aufgestellt. Dort gab es Beschwerden wegen Verunreinigungen. Darauf haben wir reagiert. Das ganz große Problem ist dies bei uns hier nicht."

Für Christine Keil (Die Linke) ist das Thema dagegen schon lange bekannt. Sie ist stellvertretende Bezirksbürgermeisterin und Bezirksstadträtin von Pankow. "Bereits seit Jahren besteht am Kollwitzplatz, am Wasserturm Prenzlauer Berg und in einem Teilabschnitt des Mauerparks ein Hundeverbot. Im Mauerpark gibt es andererseits aber auch einen Teilabschnitt, der Hundeauslaufgebiet ist", sagt Keil. Der Reinickendorfer Bezirksstadtrat Thomas Ruschin (CDU) sagt: "Bei uns in Reinickendorf ist ein solches Verbot nicht geplant. Bei uns gibt es genügend Hundeauslaufplätze. Hier konzentriert sich das auch nicht nur auf einige wenige Plätze wie in anderen Bezirken."

Kontrollen sind kaum möglich

Der Neuköllner Bezirksstadtrat Thomas Blesing (SPD) befürchtet, "dass am Ende nicht genügend Ordnungskräfte da sein werden, um diese Regelung auch zu überwachen".

Das sieht auch Oliver Schwork (SPD) so. Er ist der zuständige Bezirksstadtrat in Tempelhof-Schöneberg. Schwork will solche Verbote für die Zukunft nicht ausschließen. "Es kann beispielsweise nicht angehen, dass einige Besitzer Springbrunnen als Hundebadewannen missbrauchen", sagt Schwork. "Das Problem bei einem solchen Verbot ist nur: Die Mitarbeiter der Ordnungsämter können nicht überall sein." Berlins Hundefreunde rüsten bereits zur Gegenwehr. Der Tierschutzverein reagierte mit "Empörung und Unverständnis" auf die neue Regelung. Wenn dieses Beispiel Schule mache, habe Berlin sein Image als tierfreundliche Stadt verwirkt, sagte Sprecher Michael Gäding. Hunde gehörten zur Hauptstadt. Sie seien die "Leidtragenden" der Verbote. Sinnvoller sei es, den Dialog mit uneinsichtigen Hundehaltern zu suchen und Auslaufflächen auszuweisen. Viele Hundebesitzer in der Innenstadt könnten es sich nicht leisten, mit ihrem Vierbeiner an den Stadtrand zu fahren.