Großplakat

An der Siegessäule zeigen sich die Ehrenamtlichen

Berlins Ehrenamtliche haben seit gestern einen Ehrenplatz in der Stadt: Überlebensgroß prangt das Konterfei von 204 von ihnen - stellvertretend für die vielen Berliner, die sich für andere engagieren - auf der Siegessäule.

Unter ihnen befindet sich auch Torsten Beißel (39), Feuerwehrmann aus Steglitz, der die Berliner Feuerwehr mit ihren 1000 Einsätzen pro Tag auf dem Großplakat vertritt. Er freut sich schon darauf, der sechsjährigen Tochter Louisa sein Bild auf der Siegessäule zu zeigen: "Das ist für mich das Schönste!"

Silja Korn erfreut besonders, dass bei dieser Aktion endlich einmal Menschen aus der Mitte Berlins und nicht nur Prominente zu Wort kommen. Die 44-Jährige ist seit einem Autounfall im Alter von zwölf Jahren blind und sieht ihr Foto nicht, freut sich aber sehr "dabei sein zu dürfen". Auch dabei: Heinz und Mucke Weichardt. Das Wilmersdorfer Bio-Bäckerehepaar hat vielen ehemaligen Drogenabhängigen eine Ausbildung und damit den Weg zurück in die Gesellschaft ermöglicht.

Startsignal per Walkie-Talkie

Senatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD), die den Industriekletterern auf der Siegessäule per Walkie-Talkie vom Bürgersteig aus das Startsignal zum Herablassen der bedruckten Planen gab, zeigte sich dankbar gegenüber den vielen Ehrenamtlichen, die gekommen waren: "Es zeigt sich nicht nur in den Hochbauten, wie sich Berlin entwickelt, sondern auch darin, dass die Bürger etwas für ihre Stadt tun, was öffentlich zu wenig anerkannt wird." Berlin sei eine solidarische Stadt, in der man sich um den Nachbarn kümmert und auch um seine Anliegen streitet.

Das bestätigt Matthias Veonaldi, der von Kindheit an wegen Muskelschwund im Rollstuhl sitzt und sich für Menschen mit Behinderungen einsetzt, beispielsweise im Bündnis für ein selbstbestimmtes Leben. Der 51-Jährige sagt, dass Berlins Behindertenpolitik der vergangenen 30 Jahre zu großen Teilen erkämpft werden musste von Menschen wie ihm, die ihre Rechte einfordern, um wie andere an der Gesellschaft teilzuhaben.

Senatorin Junge-Reyer sagte, dass sie gern auf Werbeeinnahmen zur Sanierung der Siegessäule verzichtet habe. Sie wünsche sich, dass auch private Unternehmen dem Vorbild der öffentlichen Hand folgen und am Bauzaun künftig mehr auf Qualität setzen. "Diese herausragende Stelle in Berlin ist viel zu schade für so etwas." Öffentliche Gebäude sollten nicht für Werbung herhalten müssen.

Für die Sanierung der Gesamtanlage Großer Stern, die Anfang des Jahres begann und noch bis zum Frühjahr 2011 dauert, stehen insgesamt rund 4,3 Millionen Euro von Land, Bund und der Europäischen Union zur Verfügung. In den vergangenen 30 Jahren hatten nach Auskunft der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung keine größeren Instandsetzungsarbeiten an den Bauwerken stattgefunden. Die Reparaturen an der mehr als acht Meter hohen Viktoria seien bereits abgeschlossen. Sie erhalte in Kürze ihr neues Blattgold-Kleid. Wenn das Wetter mitspielt, könnte noch im September das Gerüst abgebaut werden.