Insolvenz beantragt

Kinderzirkus Cabuwazi vor dem Aus

Die Existenz des beliebten Kinderzirkus Cabuwazi ist gefährdet. Wegen drohender Zahlungsunfähigkeit musste der Verein beim Amtsgericht Charlottenburg die vorläufige Insolvenz beantragen. Wie Cabuwazi-Sprecher Thomas Brockwitz sagte, habe der Verein aber keine Schulden.

"Uns fehlen jedoch Folgeprojekte, mit denen wir unsere Arbeit finanzieren", sagte er. So seien die Schulprojektwochen, die der Europäische Sozialfonds seit 2008 mit jährlich rund 180 000 Euro ermöglicht habe, ausgelaufen. 3800 Schüler aus 28 Schulen hatten dabei - angeleitet von den Mitarbeitern des Zirkusvereins - selbst ein Artistikprogramm erarbeitet und aufgeführt. Zudem sei ein weiteres wichtiges Standbein - "Gesund ins Leben" - weggebrochen. Gefördert vom Bundesgesundheitsministerium und der AOK konnten hier Familien in sozialen Brennpunkten lernen, wie wichtig Bewegung und gesunde Ernährung fürs Wachstum sind. Auch diese 63 000 Euro jährlich fehlen dem Verein nun. Hinzu kommt, dass viele kleine Projekte ausgelaufen sind. Der Zirkus benötigt pro Jahr insgesamt 1,5 Millionen Euro, um seine Arbeit für die Kinder und Jugendlichen, von denen viele sozial benachteiligt sind, aufrechterhalten zu können.

"Die Bezirksförderung für die Betriebskosten und anderthalb bis zwei Stellen, die wir in Kreuzberg, Marzahn und Treptow-Köpenick erhalten, reicht allein nicht aus", sagt Brockwitz.

Neue Sponsoren gesucht

Der Kinder- und Jugendzirkus hofft nun auf den Insolvenzverwalter. Vielleicht gebe es ja Sponsoren, die das Projekt nicht sterben lassen wollten. Brockwitz ist froh, dass immerhin die zwei jahrelangen Unterstützer, Vattenfall und die Wohnungsgenossenschaft Marzahner Tor, dem Kinder- und Jugendprojekt die Treue halten. Der Zirkus bemühe sich außerdem auch selbst weiter um geförderte Projekte. Doch das sei nicht einfach. Bedingt durch die Wirtschaftskrise hielten sich auch private Unternehmen zurück. Eine Chance sieht der Zirkusverein darin, seine bezahlten Auftritte bei Jubiläen in Firmen oder bei Privatleuten auszubauen.

Für die rund 700 Kinder und Jugendlichen, die pro Woche nach der Schule in den fünf Zelten von Cabuwazi trainieren, soll sich aber erst einmal nichts ändern. Sie können dort alle klassischen Zirkusdisziplinen erlernen. Speziell in Kreuzberg wird Artistik mit Schauspielkunst kombiniert, in Treptow haben die jungen Leute die Möglichkeit, auch noch den Tanz einzubinden. Während in Treptow, in Kreuzberg und in Altglienicke Neun- bis 18-Jährige trainieren, sind es im Zelt in Marzahn auch Vorschulkinder ab drei Jahren.

"Der Betrieb läuft normal weiter. Unser Anliegen, Kindern und Jugendlichen kostenlos etwas beizubringen, bleibt. Wir wollen weiterhin gerade für sozial Schwache da sein", kündigt Brockwitz an.

Das Hauptproblem seien die Personalkosten. Es gibt 19 feste Mitarbeiter. Ein Großteil der Cabuwazi-Beschäftigten arbeite ohnehin bereits auf Teilzeit- oder Honorarbasis, sodass dort nichts mehr einzusparen sei. Seit der Gründung im Jahr 1994 hätten die Mitarbeiter nie eine Gehaltserhöhung bekommen. "Das Engagement ist bei uns groß. Unser Team besteht aus allen Altersgruppen und leistete schon immer freiwillig Überstunden", berichtet Brockwitz. Da Insolvenz beantragt wurde, zahlt die Löhne und Gehälter der Mitarbeiter - darunter Sozialpädagogen, Artisten, Techniker, Handwerker und kaufmännische Kräfte - drei Monate lang erst einmal die Arbeitsagentur.

Karl Köckenberger, der den Zirkus einst mitgründete und 1994 das erste Zelt in Treptow aufgestellt hat, hofft ebenfalls, dass der Verein nicht untergeht: "Das wäre wirklich schade. Die Cabuwazi-Mitarbeiter machen gute Arbeit." Er will alles tun, damit es weitergeht.