Stadtentwicklung

"Volkspark statt Schlosspark"

Die Berliner Grünen und die Linkspartei haben sich für eine weitgehende Öffnung des Tempelhofer Feldes ausgesprochen.

Jutta Matuschek, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Linken, sagte über den Plan von Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) zur schrittweisen Öffnung des ehemaligen Flughafens: "Wir begrüßen jeden Schritt, der zur Öffnung des Geländes führt. Wir wollen aber keinen Schlosspark, sondern einen Volkspark." Und dieser sehe nun mal keine Tore und Schlösser vor wie beim Charlottenburger Schloss, so Matuschek.

Franziska Eichstädt-Bohlig, Fraktionsvorsitzende der Grünen-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, sieht sich bestätigt: "Es war höchste Zeit, dass der Senat der Forderung von Bündnis 90/Die Grünen nach der Öffnung des Tempelhofer Feldes nachkommt." Nun müsse Junge-Reyer prüfen, ob der ganze Zaun abgebaut werden könne. "Das Interesse der Berliner an dem Areal ist groß. Deshalb hätte in Zugang für alle schon längst erfolgen müssen."

Gefahrenstellen wie brüchige Treppen und unsichere Brüstungen, die die Stadtentwicklungssenatorin als Hemmnis für eine vollständige Öffnung nannte, bezeichnete die Grünen-Fraktionschefin als "Verzögerungstaktik" des Senats. "Zumindest die Sportflächen am Columbiadamm und an der Oderstraße hätten früher ohne großen Aufwand für alle zugänglich gemacht werden können", so Eichstädt-Bohlig.

Das Konzept der Stadtentwicklungsverwaltung sieht eine schrittweise Öffnung des Geländes vor. Ab dem 3. Oktober werden zunächst geführte Fußgänger-, Fahrrad- und Bustouren durch das Areal angeboten. Zudem werden die am Columbiadamm gelegenen Softball-Felder für Sportler zugänglich gemacht. Ab Mai 2010 soll das Gelände für alle Berliner geöffnet werden. Eine frühere Öffnung sei nicht möglich, weil noch einige Gefahrenstellen, wie zum Beispiel baufällige Treppenanlagen beseitigt werden müssten, sagte Junge-Reyer.

Der Zaun um das Areal bleibt - anders als zum Beispiel von der Initiative "Tempelhof für alle" gefordert - bestehen. Der Zugang werde über fünf Tore möglich sein, sagte Junge-Reyer. "Ich glaube nicht, dass wir das Gelände dem freien Spiel aller Kräfte überlassen sollten", sagte sie. Ein Wachschutz soll zudem für Sicherheit und Sauberkeit sorgen und die Zugangstore morgens öffnen und abends wieder schließen.

Politiker von SPD, FDP und CDU halten das für den richtigen Weg. CDU-Landeschef Frank Henkel und der Fraktionsvorsitzende der FDP, Christoph Meyer, befürchten, dass sich das Gelände wie eine riesige, vermüllte Hasenheide entwickeln könnte. "Statt planlos private und landeseigene Firmen zu beauftragen, muss der Senat endlich ein Gesamtkonzept vorgelegen", so Meyer. Ziel müsse dabei sein, die Kosten niedriger zu halten als während des Flugbetriebs. "Und das Tempelhofer Feld muss schnellstmöglich für die Bürgerinnen und Bürger geöffnet werden." CDU-Chef Henkel vermisst eine tragfähige Idee für das Areal: "Ich habe die Befürchtung, dass hier wieder ein ewiges Provisorium geschaffen wird und sich die rot-rote Ideenlosigkeit dauerhaft durchsetzt."

Der SPD-Vize-Fraktionsvorsitzende Fritz Felgentreu aus Neukölln sieht indes einen Fortschritt. "Das vorgelegte Konzept bietet neue Impulse für Nord-Neukölln und insbesondere den Schiller-Kiez." Schließlich könne man jetzt schon geführte Touren unternehmen und Sportgelände nutzen. Und gut sei es auch, dass zwei der fünf Eingänge künftig an der Oderstraße liegen, sagte SPD-Politiker Fritz Felgentreu.