Keimbelastung

Warnung vor Baden im Schlachtensee

Schlechte Nachrichten sprechen sich normalerweise schnell herum. Doch die vom Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) herausgegebene aktuelle Warnung, dass der Schlachtensee am Rande des Grunewalds mit Fäkalkeimen verunreinigt ist, offenbar nicht.

Viele Hundert Badegäste nutzten den Sommertag mit Temperaturen um die 26 Grad auch gestern wieder zum ausgiebigen Schwimmen und Planschen.

Der mit 421 000 Quadratmetern Fläche und einer Tiefe von bis zu 8,5 Metern zu den größten Seen im Berliner Stadtgebiet gehörende Schlachtensee ist gerade wegen seiner normalerweise ausgezeichneten Wasserqualität bei Schwimmern sehr beliebt. Bei einer mikrobiologischen Routine-Kontrolle aller 38 Berliner Badestellen kam jedoch jetzt heraus, dass der Schlachtensee die Grenzwerte der EU-Badegewässerrichtlinie überschritten hat, wie das Amt gestern mitteilte.

Das beliebte Badegewässer im Berliner Bezirk Steglitz-Zehlendorf, heißt es in der Mitteilung, sei wegen übermäßiger Keimbelastung derzeit nicht zum Baden geeignet. Bei den Messungen wurden kritische Werte sogenannter coliformer Bakterien festgestellt, die als Indikator für fäkale Verunreinigungen gelten. "Besonders Menschen mit Immunschwäche sowie kleine Kinder, die oft Wasser schlucken, sollten auf ein Bad im Schlachtensee verzichten", rät Regina Kneiding, Sprecherin der Senatsverwaltung für Gesundheit. Kolibakterien können Durchfall und Erbrechen verursachen.

"Ich kann mich nicht erinnern, dass am Schlachtensee schon einmal wegen schlechter Wasserqualität vor dem Baden gewarnt werden musste", sagt Anke Otto, Gesundheitsstadträtin (Grüne) des Bezirks Steglitz-Zehlendorf. Die 61-Jährige lebt seit 30 Jahren im Bezirk. Sie sei von der Meldung sehr überrascht. Das Bezirksamt werde sich nun zunächst einmal weitere Informationen beschaffen.

Kenner des Sees, wie Georg Topka vom Zehlendorfer Anglerverein Wels e.V. machen für das erstmals am Schlachtensee aufgetretene Hygiene-Problem die ständig wachsende Zahl an Badegästen verantwortlich. "Weil immer mehr Schwimmbäder schließen und vielen Leuten auch das Geld für den Eintritt fehlt, kommen jedes Jahr mehr Menschen hierher", sagt Topka. Er kenne den See seit 1995. "Es gibt keine öffentlichen Toiletten am See, die Leute erleichtern sich im Gebüsch und der nächste Regen spült das Ganze ins Wasser", so der 48-Jährige. Auch Unmengen Hundekot gelangten auf diese Weise in den See. " Deshalb bin ich eigentlich nicht verwundert, dass das Hygiene-Problem nun auch den Schlachtensee getroffen hat", sagt Topka. Den Fischen, so der Angler weiter, sei das zum Glück jedoch egal: "Denen schaden die Bakterien nicht."

Keine öffentliche Toilette

Die Forderung nach öffentlichen Toiletten unterstützen auch die Badegäste. "Ich bin mit meinen Kindern dazu gezwungen, die Toilette der Fischerhütte zu nutzen", sagt etwa Johanna Hansen. Das sei sehr unangenehm, wenn man nicht zu den Gästen des Biergartens gehöre. "Ich kann mir schon vorstellen, dass viele da lieber hinter den nächsten Baum gehen."

Die junge Mutter macht neben den vielen menschlichen Badegeästen aber auch noch deren vierbeinige Begleiter für die schlechte Wasserqualität verantwortlich. "Es gibt einfach zu viele Hunde hier am See", sagt sie. Die 32-Jährige plädiert deshalb für ein Hundeverbot am Schlachtensee: "Die Hundehalter können doch an den Grunewaldsee gehen, der liegt doch sowieso im Hundeauslaufgebiet."

Bei der Senatsverwaltung für Gesundheit verweist man nun auf Nachmessungen, die in Kürze erfolgen werden. "Dann kann das Ergebnis schon wieder ganz anders aussehen" sagt die Sprecherin Regina Kneiding. Im Übrigen warne sie vor Panikmache. "Es ist ein ganz normales Phänomen, dass nach starken Regengüssen an Badestellen vermehrt Kolibakterien gemessen werden", sagt Regina Kneiding. "Das kommt auch in den besten Badeseen vor - und nun hat es eben auch mal den Schlachtensee erwischt."

Die Berliner könnten sich aber schon jetzt darauf einstellen, dass die angekündigten starken Regenfälle in den kommenden Tagen dazu führen, dass auch in anderen Berliner Seen Verunreinigungen mit Fäkalkeimen zunehmen werden. Neben dem Schlachtensee ist bislang nur die Badestelle Radfahrerwiese an der Unterhavel (Steglitz-Zehlendorf) so stark belastetet, dass ein Sprung ins kühle Nass dort momentan nicht zu empfehlen ist. Wer sicher gehen will, dass er zur richtigen Zeit am richtigen See ist, kann sich auf der Internetseite des Landesamtes für Gesundheit über die aktuellen Messergebnisse informieren. Unter der Internetadresse www.badegewaesser.berlin.de findet sich die tagesaktuelle Online-Badegeewässerkarte. Dort sind die Richtwerte der einzelnen Badestellen in den Farben Grün (hervorragende Werte) über Gelb (gute Werte) bis Rot (Grenzwerte überschritten, aber kein Badeverbot) bis Schwarz (Badeverbot) auf einen Blick kenntlich gemacht. Aktuelle Informationen zur Wasserqualität gibt es auch am "Bädertelefon" des Landesamtes: 030/902 29 55 55.