Sicherheit

Strahlen aus dem Asphalt

Die Feststellung der radioaktiven Strahlung an der Stargarder Straße in Prenzlauer Berg hat für erhebliche Aufregung in der Bevölkerung gesorgt. Experten des Landesamtes für Arbeitsschutz, Gesundheitsschutz und technische Sicherheit wurden alarmiert.

; sie untersuchten gestern die Stelle eingehend. Nachdem ein Messgerät am Abend zweifelsfrei als Quelle der Strahlung festgestellt worden war, reagierten die Fachleute der Behörde, besonders aber die Anwohner erleichtert. Das Landesamt hat inzwischen Anzeige gegen Unbekannt erstattet, wie Sprecher Robert Rath sagte. Ermittler sollen klären, wie die strahlende Substanz unter die Stargarder Straße kam, und wer dafür verantwortlich sei.

Anwohner hatten gestern Vormittag besorgt und irritiert auf die Strahlenquelle mitten im Wohngebiet reagiert. "Ich bin heute Morgen erst von einer Nachbarin informiert worden. Von offizieller Seite hat man uns überhaupt nichts mitgeteilt", sagte Verena Siegel, deren Geschenkladen gegenüber des betroffenen Bereichs liegt. "Die Feuerwehr sagt zwar, die Strahlung sei nicht gefährlich, trotzdem fühlt man sich ziemlich unwohl", sagte sie. Zudem sei an dem Absperrungszaun keinerlei Information angebracht gewesen.

Bei einer Routineüberprüfung war, wie berichtet, am Sonntag eine unbekannte Strahlenquelle im Erdboden entdeckt worden. Das Deutsche Rote Kreuz hatte die deutlich erhöhten Strahlenwerte am Straßenrand festgestellt. Stundenlang wurde gemessen, die Stargarder Straße zwischen Pappelallee und Lychener Straße war gesperrt. Die Feuerwehr schloss nach ersten Messungen eine unmittelbare Gefährdung für die Anwohner aus. Die etwa vier Quadratmeter große Fläche wurde mit Bleiplatten abgedeckt. Um die Strahlung weiter abzudämmen, wurde später ein Fahrzeug über der Stelle geparkt und mit Bauzäunen abgesperrt.

Vor der Entwarnung gestern Abend hatte auch das Landeskriminalamt die Fläche untersucht. Es werde wegen "Freisetzung ionisierender Strahlung" ermittelt, sagte ein Beamter am Mittag. Um den Vorfall genauer zu untersuchen und weitere Messungen durchzuführen, wurden das Fahrzeug und die Bleiplatten dann entfernt.

Die Strahlenbelastung lag unmittelbar über der Quelle bei zehn Millisievert. Zum Vergleich: Die natürliche Belastung eines Menschen beträgt in Deutschland laut Bundesamt für Strahlenschutz durchschnittlich 2,1 Millisievert im Jahr (effektive Dosis). Je nach Wohnort, Ernährungs- und Lebensgewohnheiten reicht sie von 1 bis zu 10 Millisievert. Hätte sich jemand 50 Minuten lang genau über der verseuchten Fläche in Prenzlauer Berg aufgehalten, hätte er eine Strahlenmenge abbekommen, die der bei 100 Flügen von Frankfurt nach Tokio und zurück entspricht. Denn in großen Höhen ist die Strahlenbelastung deutlich höher. Wie ein Sprecher des Landesamtes mitteilte, sei die Strahlung allerdings nur punktuell gewesen und konzentriert an einer Fuge zweier Asphaltplatten ausgetreten.

Messungen der Landesanstalt für Personendosimetrie und Strahlenschutzausbildung (LPS) zeigten etwa zehn Meter von der Absperrung einen Wert von 0,7 Mikrosievert pro Stunde. "Das entspricht etwa dem Dreifachen des Normalwerts", sagte eine Mitarbeiterin der LPS. Dennoch hielt sie die Gefährdung der Anwohner für gering. "Die Art von Strahlen, die hier austritt, verliert schnell an Durchschlagskraft"; die angrenzenden Wohnungen könnten daher kaum von der Strahlenbelastung betroffen sein.

Die Physikerin hatte, wie sich dann am Abend herausstellte, mit ihrer Vermutung zur Ursache der Strahlung richtiggelegen: Möglicherweise handele es sich um eine minimal strahlende Quelle, die bei der Verlegung unterirdischer Rohre eingesetzt werde, um die Dichtheit der geschweißten Nähte zu überprüfen.