Synergien

Neue Klinik-Modelle für Berlin

Der Berliner Senat fordert seit Jahren, dass die beiden landeseigenen Klinikunternehmen Vivantes und Charité enger zusammenarbeiten sollen. Das Ziel: sparen und Doppelvorhaltungen abbauen. Nun nimmt das Projekt konkrete Züge an. Unter der Regie von Vivantes-Chef Joachim Bovelet und Charité-Manager Professor Karl Max Einhäupl sind fast 20 Arbeitsgruppen gebildet worden, die Synergien herausfinden sollen.

Die zuständigen Senatsverwaltungen für Finanzen, Wissenschaft und Gesundheit haben ebenfalls erstmals ein Arbeitsteam Charité-Vivantes gebildet. Bis Ende Oktober will dieses Projektteam dem Senat ein Konzept vorstellen.

Sanierungsfall Benjamin Franklin

Eine große Klinik-Baustelle ist der Südwesten der Stadt: Das dortige Charité-Klinikum Benjamin Franklin ist ein Sanierungsfall. Es heißt, in den betagten 890-Betten-Kompaktbau müssten etwa 200 Millionen Euro investiert werden. Das Uniklinikum am Hindenburgdamm verfügt über sämtliche medizinische Fachbereiche wie etwa Chirurgie, Frauenheilkunde, Geburtshilfe, innere Medizin, Strahlenheilkunde und Urologie. Dem FU-Klinikum, das seit 2003 zur Charité gehört, drohte immer wieder die Schließung.

Vivantes betreibt in Schöneberg das Auguste-Viktoria-Klinikum (AVK). Das Klinikum an der Rubensstraße verfügt über 642 Betten, hat unter anderem die Fachdisziplinen Chirurgie, Frauenheilkunde, Geburtshilfe, innere Medizin, Neurologie, Orthopädie und Urologie. Auch das AVK gilt als sanierungsbedürftig.

Über die Zukunft der beiden Klinikstandorte hat sich eine Arbeitsgruppe von Charité und Vivantes die Köpfe zerbrochen. Derzeit werden vier Varianten diskutiert:

1. Das Auguste-Viktoria-Klinikum (AVK) und das Benjamin Franklin (CBF) fusionieren. Dafür entsteht eine neue 1000-Betten-Klinik am Standort des Benjamin Franklin am Hindenburgdamm. Das Management würde eine gemeinsame Tochter von Charité und Vivantes übernehmen. Forschung und Lehre blieben erhalten. 200 Betten müssten auf andere Kliniken verteilt werden.

2. Das Auguste-Viktoria-Klinikum würde geschlossen, das Benjamin Franklin würde saniert und bliebe bei der Charité und als Universitätsklinik mit Forschung und Lehre erhalten. Patienten des geschlossenen Auguste-Viktoria-Klinikums würden zum Teil im CBF behandelt. Das CBF hätte 1000 Betten, 200 Betten des geschlossenen AVK würden auf andere Kliniken verteilt.

3. Das Benjamin Franklin würde geschlossen, das Auguste-Viktoria-Klinikum saniert, erweitert und weiterhin von Vivantes gemanagt. Das AVK verfügt dann über 750 Betten. 450 Betten des CBF würden auf andere Kliniken verteilt. Damit wäre die Universitätsklinik Charité um einen großen Standort reduziert.

4. Die drastischste Veränderung wäre, wenn sowohl das Benjamin Franklin als auch das Auguste-Viktoria-Klinikum geschlossen würden. Vivantes erhielte einen Klinikneubau mit 1000 Betten, der unter Vivantes-Leitung stünde. Lehre und Forschung entfielen. Die Patienten des AVK würden künftig in Vivantes-Kliniken versorgt. Auch Patienten aus dem CBF würden im neuen Vivantes-Klinikum behandelt.

Dreistellige Millionen-Investitionen

Der jeweilige Investitionsbedarf wird bei den Varianten 1 bis 4 auf jeweils 108 bis 300 Millionen Euro beziffert.

Das fünfte Modell sieht vor, dass sich die Universitätsmedizin in Berlin von ihren vier Standorten in Mitte, Wedding, Steglitz und Buch gänzlich verabschiedet. Stattdessen würde eine neue Universitätsklinik in Berlins City gebaut. Im Gespräch ist die Heidestraße in der Nähe vom Hauptbahnhof.

Die Charité verfügt derzeit an allen vier Standorten über 3200 Betten. In Fachkreisen geht man davon aus, dass die Universitätsklinik 500 Betten reduzieren könnte. Die Charité-Führung hat errechnet, dass zur Sanierung aller Standorte 636 Millionen Euro nötig wären, bisher hat der Senat 195 Millionen bewilligt. Die Universitätsklinik hat im vergangenen Jahr ein Defizit von 56 Millionen Euro gemacht.

Der Vivantes-Konzern, in dem die ehemals städtischen Kliniken vereint sind, ist nach langer Sanierungsphase und der Entschuldung durch das Land Berlin im Plus. Der Konzern verfügt über neun Hauptstandorte und rund 5000 Klinik-Betten.

Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher (Linke) hat sich am Donnerstag mit ihren Partei- und Fraktionskollegen über das Thema Charité-Vivantes beraten. Die Partei ist offenbar gespalten. Einige fordern, die Politik müsse den landeseigenen Klinikbetrieben eine Marschroute vorgeben, andere meinen, die Klinik-Manager müssten selbst über ihre Zukunft entscheiden.

Wolfgang Albers, gesundheits- und wissenschaftspolitischer Sprecher der Linken, fordert jetzt zunächst, dass Gesundheitssenatorin Lompscher auch im Aufsichtsrat der Charité mitbestimmen kann. Dort ist die Gesundheitssenatorin, obwohl sie für die Krankenhausplanung in der Stadt verantwortlich ist, bisher gar nicht vertreten.