Nahverkehr

Tag der offenen Tür: Die S-Bahn erklärt ihre Krise

Erstmals nach dem Pannen-Debakel, dessen Ausmaß Mitte vergangenen Jahres nach und nach ans Licht kam, lud die Berliner S-Bahn zum Tag der offenen Tür. Flucht nach vorn, könnte man meinen. Der Chef der Qualitätssicherung der S-Bahn, Andreas Kowalke, drückte es gestern anders aus: "Wir wollen den Berlinern zeigen, dass wir nicht schlafen.".

Es galt die dringendste Frage der Fahrgäste zu beantworten, die da lautete: Warum sind noch nicht wieder alle Züge auf der Schiene? Um Antworten zu bekommen, machten sich 20 000 Interessierte auf zum S-Bahn-Werk Grünau.

Schon die ersten Sonderzüge, die die Besucher ausnahmsweise über den Endbahnhof hinaus bis zu den Werkshallen brachten, waren voll besetzt. Rentner, Kinder, Eltern, weniger junge Menschen, drängten sich in den Waggons. Dazu herrschte eine Erwartung wie vor dem Besuch eines Vergnügungsparks.

Dass wirklich ein wenig Disneyland-Atmosphäre aufkam, ist das Verdienst von Werksleiterin Katrin Ruschke, die die Veranstaltung organisierte. Einer der vier Berliner Wartungsstandorte dem Tagesgeschäft zu entheben, war ein Kraftakt. Normalerweise wird auch in Grünau in vier Schichten daran gearbeitet, möglichst bald wieder das gesamte Zugarsenal fit zu bekommen. Warum das einfacher gesagt ist, als getan, erklärten zahlreiche Schlosser, Prüfer und Mechatroniker am Objekt. Auf einem Güterwaggon waren all jene Teile drapiert, über deren Mängel man in den vergangenen Monaten so oft in der Zeitung lesen konnte, vom Triebradsatz über den Bremszylinder bis hin zum Stromabnehmer.

Auch die Führungsriege des Unternehmens stellte sich den wissbegierigen Fahrgästen. Die saßen draußen unter farbigen Sonnenschirmen. Wann der Weihnachtszug endlich wieder fahre, wollte ein 82-jähriger Ex-Bahner wissen, warum das Umsteigen am Ostkreuz während der Umbauten so schwierig sei, ein anderer. Es dauerte eine Weile, bis ein Herr "ganz grundsätzliche Fragen" ins Mikrofon sprach: "Wie konnte die S-Bahn so zu Schanden kommen? Wie konnte man sich auf die verrückte Idee eines Börsengangs der Deutschen Bahn einlassen?" Und: "Warum sind die Verantwortlichen von damals nicht hier?" Weil das so viele Fragen auf einmal waren, ging der Börsengang unter, die Frage nach dem Aufenthaltsort der Verantwortlichen auch.

Die beiden anwesenden Geschäftsführer Peter Buchner und Jürgen Konz sagten, dass das Problem aus vielen Problemen bestehe - von den Mängeln an mehreren S-Bahn-Baureihen bis zur missglückten Unternehmensführung der Vergangenheit. Das alles müsse nun parallel angegangen werden.

Schließlich beklagte ein Vielfahrer das Fehlen der Fahrplanhefte für die Hosentasche. Die seien schon gedruckt gewesen, sagte S-Bahn-Chef Buchner. Nur seien sie nicht verteilt worden, weil man die Zeiten in der Realität nie hätte einlösen können.