Integration

Notwendig oder überflüssig - Was die Migranten sagen

Gute Sache oder das Papier nicht wert, auf dem es steht? Die Migranten in Berlin sind geteilter Meinung, ob das neue Integrationsgesetz weiterhilft. In Neukölln hoffen einige Menschen ausländischer Herkunft, dass sich ihre Situation nun verbessert, andere lehnen das Gesetz ab.

Die Blumenhändlerin Songül Özmen aus der Türkei freut sich über den Vorstoß des Senats: "Ich fände es super, wenn Berlin ein solches Gesetz verabschiedet." Die 29-jährige Muslima meint, dass Berlin Handlungsbedarf beim Thema Integration hat. Viele Menschen hätten noch Vorurteile gegen Ausländer. "Das merke ich oft selbst: Viele Leute denken, dass ich wegen meines Kopftuchs nicht einmal Deutsch sprechen kann." Der Restaurantbetreiber Van Nam Nguyen (36) aus Laos würde es begrüßen, wenn künftig mehr Migranten im öffentlichen Dienst arbeiten würden. "Bei den Behörden wird man von Deutschen manchmal seltsam behandelt, wenn man einen ausländischen Namen hat oder nicht gut Deutsch spricht." Auch die 16-jährige Yasemin Yildirim, deren Eltern aus der Türkei stammen, sagt: "Falls eine Möglichkeit kommt, uns besser zu integrieren, sollten wir sie nutzen."

Dagegen sieht der 53 Jahre alte Umweltberater Jamal Ahmed aus Bangladesch den Senatsvorstoß kritisch. "Ein solches Gesetz würde nichts bringen", sagt er. "Integration fängt im Kopf an. Man kann die in Deutschland verbreitete Intoleranz und mangelnde Eingliederung nicht so bekämpfen." Auch der 18 Jahre alte Deutsch-Türke Ibrahim Yilmaz zweifelt daran, dass ein Integrationsgesetz helfen würde: "Wir selbst sind es ja, die uns integrieren müssen, nicht die Deutschen. Aber viele Ausländer wollen das nicht, deshalb leben sie ja in Parallelgesellschaften." Ein palästinensischer Elektronikhändler, der namentlich nicht genannt werden möchte, glaubt das Gegenteil: "Neue Gesetze bringen überhaupt nichts. Das Problem ist: Viele Deutsche wollen nicht, dass wir uns integrieren."

Positiv fällt wiederum die Resonanz seitens der Migrantenverbände aus. Hilmi Kaya Turan, Vorstandsmitglied des Türkischen Bundes in Berlin-Brandenburg, sagt: "Wir begrüßen ein solches Gesetz und hoffen, dass es später auch Vorbildcharakter für andere Bundesländer haben könnte." Sanchita Basu vom Vorstand des Migrationsrates Berlin und Brandenburg stimmt zu. Der Gesetzentwurf belege, dass die gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Migrationshintergrund bislang nur wenig berücksichtigt worden sei. Gerhard Köpernik, Präsident der Deutsch-Rumänischen Gesellschaft, erwartet positive Folgen, sollte der öffentliche Dienst multikultureller werden: "Wenn Jugendliche sehen, dass Migranten akzeptiert werden und Karriere machen können, erhöht das ihre Motivation, sich zu integrieren."