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Bahn bleibt stur: Stettin-Ticket gibt es nur am Schalter

Der Berliner Fahrgastverband Igeb kritisiert die Ticketpolitik der Deutschen Bahn als "völlig unzeitgemäß". Wie berichtet ist das am 1. August eingeführte Billigticket nach Stettin (Szczecin) nicht auf den Internetseiten der Bahn buchbar, obwohl es ausschließlich in Regionalzügen des bundeseigenen Unternehmens gilt.

Wie eine Bahn-Sprecherin nun bestätigte, wird sich daran in absehbarer Zeit auch nichts ändern.

Der Grund: Das dauerhafte Sonderangebot ist ein Fahrschein des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB). Dessen Tickets werden bei der Bahn aber grundsätzlich nicht übers Internet vertrieben. Weil der VBB aber keine eigenen Verkaufsstellen unterhält, bleibt den Kunden also nur der Weg ins Reisezentrum. Wer für zehn Euro in die polnische Hafenstadt fahren will, muss sich am Schalter anstellen oder sich am Automaten umständlich zu den VBB-Tarifen vorarbeiten. Online-Kunden zahlen statt des Billigpreises den regulären Auslandstarif der Bahn. Und der ist fast dreimal so teuer. Für die einfache Fahrt von Berlin-Hauptbahnhof nach Stettin berechnet die Bahn 26,90 Euro.

"Angebote wie das Stettin-Ticket sind richtig und wichtig", sagt Igeb-Sprecher Jens Wieseke. Gerade der grenzüberschreitende Verkehr in Richtung Polen biete noch enorme Potenziale. "Die Bahn muss dafür sorgen, dass die Fahrscheine so einfach wie möglich und auf allen üblichen Kanälen erworben werden können. Und dazu zählt auch das Internet."

Zusätzliche Züge ab Dezember

Auch VBB-Sprecherin Elke Krokowski spricht von einer "sehr unbefriedigenden" Lösung. "Wir hoffen, dass die Haltung der Bahn nur ein Zwischenzustand ist."

Der Verkehrsverbund erhofft sich durch das Billigangebot steigende Fahrgastzahlen auf der bislang nur schwach genutzten Strecke. Statt heute täglich 300 könnten bis zu 3000 Reisende pro Tag die Linie nutzen, so die Prognose. Eine zusätzliche Direktverbindung von Berlin nach Stettin soll vom Fahrplanwechsel im Dezember an weiteren Aufschwung bringen.

Ein Manko stellt dabei aber die vergleichsweise lange Fahrzeit von etwa zwei Stunden dar. Weil etwa 30 Kilometer auf deutscher Seite noch nicht elektrifiziert sind, müssen Fahrgäste umsteigen oder Züge auf Dieselbetrieb umgespannt werden. Bislang sind polnische Minibusse, die regelmäßig zwischen Berlin und Stettin pendeln, daher nicht nur billiger, sondern meist auch schneller. Der Bund müsste den Ausbau der Strecke auf Elektrobetrieb per Staatsvertrag mit Polen beschließen - und bezahlen. Gerade die Bahn müsste daran doch ein Interesse haben", sagt Wieseke. "Und was spräche mehr für die Investition als hohe Fahrgastzuwächse durch attraktive Angebote?"