Stadtplanung

Kampf um die Ahornbäume auf dem Gendarmenmarkt

Das Schicksal der Ahornbäume ist noch nicht besiegelt. Bislang war Mittes Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD) fest entschlossen, die ihm unliebsamen Bäume auf dem Gendarmenmarkt fällen zu lassen und die Gestalt des Platzes grundlegend zu verändern.

Jetzt lenkt er ein: "Denkbar ist auch, dass die über 130 Kugelahornbäume überwiegend stehen bleiben, aber nur wenn das Gesamtkonzept für den Platz überzeugend ist und von einer breiten Mehrheit getragen wird."

Der Sinneswandel des Dezernenten kommt nicht von ungefähr. In den vergangenen Tagen sind immer mehr Stimmen laut geworden, die das Vorhaben des Bezirksamtes und der Senatsverwaltung ablehnen. Anlass genug für Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD), sich selbst auf dem Gendarmenmarkt umzusehen. Gerade aus dem Urlaub zurückgekehrt, ließ sie sich zu Beginn dieser Woche von Gothe die Pläne erklären - unter den niedrigen Bäumen. Zur Sache selbst wolle sich die Senatorin öffentlich aber nicht äußern, sagt ihr Sprecher Mathias Gille.

Wie der Platz künftig aussehen soll, darüber haben Verwaltungsmitarbeiter, Anwohner, Geschäftsleute und Förderverein ein Jahr lang diskutiert. Im Ergebnis sei ein Leitbild für den Gendarmenmarkt entstanden, sagt Gothe. Es heißt: "Ein Berliner Salon - elegant - geschichtlich - geschäftig". Das bedeutet nach bisherigen Plänen: Nicht nur die niedrigen Bäume, die in den 80er-Jahren gepflanzt wurden, sollen verschwinden. Auch das alte Pflaster, die Betonplatten und die Stufen aus DDR-Zeit müssten weg. Das Geld für den dann neuen Gendarmenmarkt soll von den Senatsverwaltungen für Stadtentwicklung und für Wirtschaft kommen: insgesamt sechs Millionen Euro. Fünf Millionen Euro seien bei der Wirtschaftsförderung zur Verbesserung der touristischen Infrastruktur beantragt, sagt Gothe. Eine Bewilligung sei frühestens Ende des Jahres zu erwarten.

Weil das aber noch nicht geschehen ist, sieht Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) "noch alles in der Diskussionsphase". Den Protest gegen Kahlschlag und Umgestaltung des Platzes respektiert er. "Ich kann verstehen, wenn Bürger sich für Fragen in ihrer Stadt stark machen." Insbesondere der Verein Freunde und Förderer Gendarmenmarkt engagiert sich. Die Vereinsmitglieder sammeln seit einer Woche Unterschriften gegen die Umgestaltung des Platzes und haben prominente Unterstützer wie die Journalistin Lea Rosh gewonnen. Mehr als 4000 Menschen hätten sich bereits in die Listen eingetragen, sagt Vereinsvorsitzende Ada Withake-Scholz. Viele kämen eigens wegen der Unterschriftenaktion zum Platz. Für Vereinsvize Frank Keidel ist unverständlich, dass erst fast 140 Ahornbäume gefällt werden sollen, um den Platz anschließend genauso intensiv zu begrünen. Auch die vorgesehene Bauzeit von drei Jahren könne er nicht akzeptieren, so Keidel.

Stadtrat Gothe will das Vorhaben im September erneut öffentlich vorstellen. Doch der Förderverein traut dem Angebot nicht. "Das bedeutet nur, dass Stadtrat Gothe seine alten Pläne durchbringen will", argwöhnt Keidel. "Der Platz funktioniert", sagt auch Ada Withake-Scholz. Die Umgestaltung sei unnütz. "Was in den 80er-Jahren angelegt wurde, hat Aufenthaltsqualität und Atmosphäre." Statt des Umbaus wünscht sich der Förderverein, dass Geld für die behutsame Reparatur des Platzes ausgegeben wird und dass die Ahornbäume beschnitten werden. Diese Forderung unterstützen auch die beiden Grünen-Abgeordneten Franziska Eichstädt-Bohlig und Alice Ströver. Sie wollen mit ihrer Fraktion im Herbst einen entsprechenden Antrag im Abgeordnetenhaus stellen.