Initiative

Gründerpreis Neukölln ausgeschrieben

Not macht erfinderisch. Viele Arbeitslose versuchen, eine eigene kleine Firma aufzubauen. Manche haben eine pfiffige Idee und ein gutes Konzept. Anderen fehlen elementare Kenntnisse, um ein Unternehmen zu gründen. I

n Neukölln, einem Bezirk mit hoher Arbeitslosigkeit, bemüht sich die Wirtschaftsförderung intensiv, Existenzgründer zu beraten und zu unterstützen. "Denn sie schaffen neue Arbeitsplätze ", sagt Clemens Mücke, Leiter der Wirtschaftsförderung. "Zunächst für sich, später auch für andere."

Eine Initiative der Behörde ist der Gründerpreis Neukölln. Er ist jetzt zum sechsten Mal ausgeschrieben worden ( www.neukoelln.de oder Tel. 68 09 40 68). Bis zum 31. August können sich Unternehmen bewerben, die seit dem Frühjahr 2006 entstanden sind und eine besondere Idee umsetzen, ein herausragendes Konzept haben oder in anderer Weise beispielhaft arbeiten. In der Gewerbedatenbank von Neukölln finden sich etwa 1000 Adressen, auf die die Kriterien zutreffen könnten. Viele wurden vom Amt angeschrieben, außerdem liegen Karten in Neuköllner Kneipen aus. Infos gibt auch das Quartiermanagement. "Wichtig ist, dass eine Gründung gut vorbereitet wird und dass man am Ball bleibt - dann kann man Erfolg haben", sagt Clemens Mücke. "Aber viele, die sich selbstständig machen wollen, wissen nicht, was sie erwartet." Etwa welche Gewerbemiete sie bezahlen müssen, woher sie Ware beziehen, wie sie den Start finanzieren können. Doch es gibt auch andere, die erfolgreich arbeiten, "aber im Verborgenen." Der Gründerpreis ist für sie eine Möglichkeit, sich zu präsentieren, ihr Konzept zu überprüfen und mit dem Ziel zu vergleichen, mit dem sie angetreten sind. Vielleicht auch die Chance, eigene Kontrollmechanismen zu finden.

Etwa 100 Gründer bewerben sich traditionell um den Preis. Acht bis zehn werden ins Finale eingeladen. Sie präsentieren ihre Firma vor der Jury und gestalten außerdem einen Messestand, der erkennbar macht, woran das Unternehmen arbeitet. Auch das ist eine Herausforderung. Ein Unternehmer habe kurzerhand seine Lehrlinge damit beauftragt, den Stand zu gestalten, erzählt Clemens Mücke. "Er war erstaunt darüber, was sich die jungen Leute einfallen ließen." Zur Jury gehören Politiker, Unternehmer und Journalisten. Jeder Finalist bekommt ein Preisgeld. Die Gesamtsumme liegt bei 20 000 Euro. Die Preisverleihung ist am 23. Oktober.

Clemens Mücke ist seit dem ersten Gründerpreis dabei. "Wir sind immer wieder überrascht über die Ideen und die Professionalität der Unternehmer", sagt er. Unter den Gründerpreis-Gewinnern der vergangenen Jahre waren eine Projektagentur für Marketing, ein Spezialist für die Tiefgründung von Lärmschutzwänden, eine Filmproduktion GbR und ein Hersteller von individuellen T-Shirts. Erfolgreich war 2003 auch die Liebeskummerpillen GbR. Seither hat sie ihre Produktpalette erweitert und bietet heute als "Give aways" für Firmen auch Pillen "für die gesunde Kundenbindung" an. Auf dem Beipackzettel ist Platz für Firmenwerbung. Und für den privaten Gebrauch gibt es "Glück in kleinen Dosen".

Meistgelesene