Endfassung

Tarifvertrag für Vivantes unterzeichnet

Gestern haben die Landesklinik Vivantes, die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di und der Arbeitgeberverband KAV Berlin den neuen Tarifvertrag für die Klinik-Beschäftigten unterzeichnet.

Geeinigt hatten sich die Verhandlungspartner schon im November vergangenen Jahres und seit Januar setzt Vivantes den Tarifvertrag bereits um. Doch erst seit gestern ist er offiziell in Kraft getreten. Als Grund der außergewöhnlich langen Verzögerung nannten Klinik und Verbände Redaktionsverhandlungen, ein zähes Feilschen um jedes Wort und jedes Komma. Die Einigung vom November umfasste nur drei Seiten, die nun verabschiedete Endfassung zieht sich nun über mehr als 20 Seiten. Darin enthalten sind die Regelungen zur Umstellung vom alten Tarifvertrag BAT, auf den bundesweit geltenden Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes (TVöD). "In diesem Jahr verdienen die Mitarbeiter 50 Euro mehr und bekommen zusätzlich ein Plus von 1,6 Prozent ihres Gehaltes", sagt die Ver.di-Verhandlungsführerin, Heike Spies. Kommendes Jahr soll es eine weitere Erhöhung um 4,3 Prozent geben. "Damit verdienen die 11 000 Mitarbeiter der Vivantes-Klinik mehr als die anderer Berliner Kliniken", so Spies. Beim Weihnachtsgeld müssten sie jedoch Abstriche machen. Bis 2013 verzichten die Krankenschwestern und Verwaltungsangestellten auf 30 Prozent der alljährlichen Sonderzahlung.

Das Niveau in anderen Bundesländern hat das Gehalt auch nach dieser Tarifrunde nicht erreicht. "Wir nähern uns schrittweise an", sagt Spies. Ende 2016 soll die Anpassung an andere Bundesländer aber abgeschlossen sein. Bis dahin sind die Klinikbeschäftigten vor Kündigungen geschützt. Das überschüssige Personal soll nun, anstatt entlassen zu werden, nach entsprechenden Weiterbildungen in anderen Bereichen eingesetzt werden. "Die Krankenschwester wird deshalb keine Pförtnerin", sagt Vivantes-Sprecher Uwe Dolderer. Aber Umbesetzungen innerhalb der Verwaltung seien durchaus möglich.

Die Kosten des Vertrags trägt Vivantes selbst. Wie und wo die Klinik Einsparungen vornehmen wird, will der Sprecher nicht sagen. Auch wie teuer die Tarifsteigerung für die Klinik wird, scheint weder Klinik noch Gewerkschaft und KAV bekannt zu sein.

Einen extra Vertrag haben die Partner über die sogenannte Wege- und Rüstzeit geschlossen. Damit gemeint ist die Zeit, die eine Krankenschwester zum Umziehen und für den Weg zum Operationssaal oder zur Station braucht. Bisher war diese Zeit Arbeitszeit, im TVöD jedoch nicht. "Da hat der Arbeitgeber gleich eine Möglichkeit gewittert, Geld zu sparen", meint Heike Spies. Das habe man aber abwenden können.