Landschaftspark Herzberge

Schafe weiden mitten in Berlin

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Ingo Rössling

Auf einer Großstadtweide in Lichtenberg - gar nicht so weit von der Berliner City entfernt - grasen jetzt Schafe. Im neu entstehenden Landschaftspark Herzberge zwischen Herzberg- und Rhinstraße sorgen sie seit der vergangenen Woche vorrangig für die Pflege der saftigen Grünflächen; umweltfreundlich und kostengünstig.

Die ersten 27 Vertreter der seltenen Rasse Rauwolliges Pommersches Landschaf wurden direkt gegenüber dem evangelischen Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge auf einer drei Hektar großen Weide angesiedelt. Das Gelände war zuvor eine Brache gewesen. "Sie sind ein Schritt zu einem landwirtschaftlich geprägten Park für die Naherholung, den es so in Berlin noch nicht gibt", sagte Umweltstadtrat Andreas Geisel (SPD). Der Park soll insgesamt 50 Hektar umfassen. Die Weideflächen werden auf 20 Hektar erweitert. Liege- und Spielwiesen entstehen. Bereits seit 2005 wird an der Umgestaltung des Areals gearbeitet. Verfallene Industriegebäude und Vandalismus hatten ihre Spuren hinterlassen, große Teile waren regelrecht verwildert. Es wurden Ruinen abgerissen, kontaminierte Böden entsiegelt, ein Wanderwegenetz und ein Radweg zwischen Siegfriedstraße und Allee der Kosmonauten angelegt. 3,3 Millionen Euro flossen bereits in das Projekt, darunter 2,3 Millionen aus dem Landwirtschaftsprogramm der EU. Mittel aus diesem EU-Fonds seien aber nur möglich gewesen, weil das Gebiet auch landwirtschaftlich genutzt werde. "Mindestens noch mal so viele Mittel werden bis 2015 benötigt", so Geisel. Das Geld komme aber aus Fördertöpfen für Natur- und Artenschutz. Träger des Projektes ist der Verein Agrarbörse Deutschland Ost.

Die 27 Schafe und Schäfermeister Matthias Breutel kommen aus Brandenburg. Bis Ende August gesellen sich noch fünf weitere Tiere hinzu. Insgesamt 100 zottelige "Landschaftspfleger" sollen später den Herzberge-Park bevölkern oder in andere Berliner Bezirke "ausgeliehen" werden. Breutel hofft deshalb auf viele Lämmer. Damit dieser Wunsch in Erfüllung geht, wird im Herbst ein Bock von der Insel Rügen erwartet. Die Tiere sind sehr genügsam und robust. Sie können das ganze Jahr in freier Natur leben. Ein Unterstand wird aber gebaut. Bis vor Kurzem standen diese Landschafe auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Haustierrassen. 600 dieser Tiere soll es noch in Deutschland geben. Die meisten leben auf Rügen und in Baden-Württemberg.

Mit den Rehabilitationseinrichtungen des Krankenhauses wurde vereinbart, die Schafe bei Tiertherapien für junge Patienten zu nutzen. Auch Umweltbildungsprojekte für Kinder und Jugendliche sind geplant. Dazu entstehe ein "grünes Klassenzimmer", kündigte Geisel an. Der Park biete aber auch weitere Naturerlebnisse mitten in der Stadt, so "eine unglaubliche städtische Wildnis". So sind die alten Eichen- und Hainbuchwälder eine Besonderheit des Berliner Raums. Die hundert Jahre alten Teiche, zum Teil mit Röhricht bewachsen, und Biotope gehören zu den bedeutendsten Amphibienlaichplätzen der Stadt. 45 Vogelarten brüten regelmäßig. Beim Senat wurde beantragt, den Park als Landschaftsschutzgebiet auszuweisen.