Streit

Lichtenberg will Kunsthalle

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Ingo Rössling

Lichtenberg meldet Anspruch auf die umstrittene neue Berliner Kunsthalle an. Die Bezirksverordneten-Versammlung (BVV) beauftragte das Bezirksamt, dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) und der Senatskulturverwaltung als Standort ein Baudenkmal an der Landsberger Allee vorzuschlagen.

Der westliche Teil dieses fast 120 Jahre alten Zwischenpumpwerkes - Wasserwerk genannt - mit seinen hellroten Klinkern wird von den Berliner Wasserbetrieben nicht mehr benötigt und soll vermarktet werden.

Der Antrag wurde von den Linken eingebracht und von der CDU und den Grünen unterstützt. Die SPD ist dagegen. Linke-Verordneter Michael Grunst als Initiator sagt: "Wir wollen in die kontroverse Debatte einbringen, dass es nicht zuletzt in Lichtenberg eine Reihe historischer Gebäude gibt, die sich zur Nutzung als Kunsthalle eignen." Da Wowereit mindestens 30 Millionen Euro für einen Neubau am Humboldthafen ausgeben wolle, könnte dieses Geld in andere Projekte gesteckt werden. Als Standorte für eine Kunsthalle würde sich auch die ehemalige Schokoladenfabrik gegenüber dem Sportforum Hohenschönhausen anbieten, so Grunst.

SPD-Kreisvorsitzender und Baustadtrat Andreas Geisel hält die Lichtenberger Standorte für ungeeignet. Er sagt: "Der Regierende Bürgermeister zielt darauf ab, mit der repräsentativen Kunsthalle Menschen in das Bahnhofs- und Regierungsviertel zu holen." Berlin solle dem Vergleich mit Metropolen wie Paris oder London standhalten können. Grunst kontert: "Geisel schließt sich dem Metropolenwahn seines Regierenden an." Lichtenberg sei keine Trabantenstadt von Berlin und liege auch nicht "in der Pampa", so Grunst. Die Berliner Wasserbetriebe zeigten sich überrascht. "An uns ist der Vorschlag für eine Kunsthalle noch nicht herangetragen worden", sagte Sprecher Eike Krüger. Ansonsten sei für die künftige Nutzung ein Bebauungsplanverfahren eingeleitet worden. Mit Interessenten liefen Gespräche. Dazu gehören Berlins "Gastro-König" Josef Laggner, der Pläne für ein Restaurant mit Brauhaus und Biergarten im alten Wasserwerk hat, und ein Sportartikel-Fachmarkt. In einer Umfrage der Berliner Morgenpost hatten sich Anfang Juli zwei Drittel der Berliner angesichts der schlechten Wirtschaftslage gegen den Neubau einer Kunsthalle am Humboldthafen ausgesprochen. Sie ist auch innerhalb der SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus umstritten. Wowereit hat jedoch deutlich gemacht, dass er an dem Vorhaben festhalten will.