Campus Benjamin Franklin

"Die Charité ist zu groß"

Die Freie Universität Berlin (FU) hat gestern ihr Konzept zur Zukunft des Charité Campus Benjamin Franklin vorgestellt. Die FU-Leitung favorisiert dabei die Aufsplitterung der Charité in eine Charité Nord - in der die Humboldt-Universität die Standorte Mitte, Wedding und Buch leitet - und in eine Charité Süd, in dem die FU das Benjamin Franklin Klinikum wieder als eigenes Universitätskrankenhaus führt.

Die Unikliniken Charité und Benjamin Franklin sind seit 2003 fusioniert.

"Mit der Rückgliederung sollen Forschung, Lehre und Krankenversorgung wieder effizient gesteuert werden", sagte FU-Vizepräsidentin Monika Schäfer-Korting. Die jetzige Charité sei zu groß und räumlich zu zersplittert. Für die Finanzierung des "Franklin" präsentierte FU-Präsident Dieter Lenzen drei Varianten: eine staatliche - "das wäre die beste Lösung", so Lenzen -, eine Privatisierung oder die Überführung der Klinik in eine andere Rechtsform, in der staatliche Finanzierung und private Elemente gemischt sind. Um das Klinikum arbeitsfähig zu halten, seien Investitionen von mindestens 200 Millionen Euro nötig, so Lenzen. Bei der Misch-Variante behielte die FU alle klinischen Fächer am Klinikum - inklusive der Zahnmedizin in Wilmersdorf. "Letztere brauchen wir für unsere Exzellenzinitiative und sie liegt räumlich nahe", sagte Schäfer-Korting. Würden die Pläne umgesetzt, verbesserten FU-Forscher ihre Ausgangslage im Exzellenzwettbewerb, weil sie leichter mit privaten Einrichtungen kooperieren könnten. Drei Sonderforschungsbereiche sind am Benjamin Franklin angesiedelt: kardiovaskuläre Medizin, Gastroenterologie und Onkologie. Ferner kooperieren Klinikum und FU beim Exzellenzcluster Languages of Emotion, das den Zusammenhang von Gefühlen und Sprache erforscht. Am schwierigsten ist die Neuordnung der Lehre. "Die Ausbildung der Medizinstudenten ist zentralisiert", sagt Schäfer-Korting, "das kann man so lassen oder sie den Naturwissenschaften der FU zuschlagen oder eine Mischform bilden".

Außenstandorte werden geschlossen

Dritter Aspekt ist die Krankenversorgung. Die von der FU favorisierte Option sieht vor, die zurzeit 1050 Betten auf 750 bis 800 zu reduzieren. "Wir müssen die Bettenhäuser renovieren und die Stationen flexibel belegen", sagt Schäfer-Korting. Zusätzlich solle die ambulante Versorgung ausgebaut werden; mit Vivantes, dem Helios-Konzern und den anderen Charité-Campi wolle man dafür zusammenarbeiten. Außenstellen an der Arnim- und Eschenallee sollen geschlossen und die Arbeit am Hauptstandort Benjamin Franklin konzentriert werden. Andere Optionen verwarf FU-Präsident Lenzen. "Beim Verbleib verschlechtert sich der Status Quo in allen Punkten." Es komme zu großen Lücken im Fächerspektrum und mangelnder Wirtschaftlichkeit, Investitionen würden fehlen und Erlöse einbrechen. Wenn der Status eines Universitätsklinikums aufgegeben würde, ginge eine exzellente Infrastruktur verloren sowie Studienplätze im Fach Humanmedizin.

Lenzen sagte, die FU könne das Land Berlin als Entscheidungsträger nur bitten, sich über das Konzept Gedanken zu machen. Bislang haben Landesregierung und Charité-Vorstand eine Teilprivatisierung ausgeschlossen. Dabei hat die Zerstückelung bereits begonnen: Die Charité sucht einen privaten Partner für die Psychiatrische Klinik am Benjamin Franklin.