Kurzfilme

Wenn der Kinosessel schaukelt

Gerade als der dritte Kurzfilm auf der Insel der Jugend in Treptow beginnt, fährt langsam ein Boot mit Lichterkette an den Zuschauern vorbei. Eine junge Frau beugt sich über die Reling und flüstert einigen Zuschauern zu: "Psst, wollt ihr Cola, Bier oder Chips?"

Die Zuschauer, die alle ebenfalls in Booten sitzen, kaufen ein paar Flaschen. Bei der Übergabe müssen alle aufpassen, denn sobald ein Ruderboot wackelt, bewegen sich die anderen Boote ebenfalls. Sie bilden fast eine durchgehende Fläche. Aber die beruhigt sich schnell wieder, und alle konzentrieren sich auf die Leinwand. Dort fährt gerade ein junges Mädchen zu ihrer ersten großen Liebe: natürlich mit einem Motorboot.

Die Themen der Kurzfilme, so wollen das die Veranstalter von Moviemiento, sollten eben immer etwas mit dem Ort zu tun haben, an dem sie gezeigt werden. Das ist eine Regel. Die andere ist, dass der Eintritt kostenlos ist. "Wir wollen den Zugang zur Kultur eben nicht mit Geld beschränken", sagt Schirin Shahed, die seit drei Jahren bei Moviemiento mitmacht.

Es ist eine kleine Gruppe von engagierten Berlinern, zehn bis 15 Menschen, die neben ihrem Job noch Lust haben, Filmabende zu organisieren. "Ursprünglich wollten wir den Leuten Kino näherbringen, die sonst seltener dorthin gehen." Mit einer mobilen Leinwand reisten sie nach Danzig und St. Petersburg, nach Riga und Amsterdam. "Movies on the Road" hieß das Programm, das in einem alten Bus Filme transportiert. Erst vor wenigen Wochen waren sie im sachsen-anhaltinischen Quedlinburg und bauten ein Kino auf dem Marktplatz auf. In diesem Sommer haben sie das Programm umbenannt und konzentrieren sich mit ihrer Veranstaltung einmal pro Monat nur auf Berlin. Mit "Moving Parks - Short films on the Wiese" suchen sie ungewöhnliche Orte in der Stadt für einen Kinoabend aus: Bisher zeigten sie Filme auf einer Häuserwand in Friedrichshain, in einem kleinen Park in Schöneberg und eben auf der Treptower Insel der Jugend. Am Sonnabend bauten sie auf dem Neuköllner Reuterplatz ihre Leinwand auf. Wieder kamen rund 500 Gäste. Das Thema war "Migration". Zu sehen war unter anderem die Geschichte eines jungen Polen, der illegal in Berlin lebt und seine Mutter am Telefon belügt. Oder ein Film über junge Spanier, die an der Grenze Zeuge werden, wie ein Polizist einen illegalen Einwanderer zusammenschlägt.

Die Wahl der Orte geschieht immer spontan. "Wir träumen da schon erst einmal und setzen uns keine Grenzen", sagt Schirin Shahed von Moviemiento. In Absprache mit dem jeweiligen Bezirksamt werden dann Genehmigungen organisiert. Bisher habe man sehr gute Erfahrungen mit den Berliner Behörden gemacht. Schirin Shahed: "Sie sind uns wohlgesinnt." Obwohl sie keine Werbung machen und nur Einladungen über E-Mail verschicken, ist jede Vorführung gut besucht. In diesem Jahr planen die Organisatoren außerdem noch eine viermonatige Reise durch Bolivien, Ecuador und Peru. Dort wollen sie nicht nur Filme zeigen, sondern gemeinsam mit jungen Frauen aus den Regionen Kurzfilme drehen. Ein ambitioniertes Projekt, das unter anderem von der EU unterstützt wird. Aber bis dahin wird es noch eine letzte Sommervorführung geben: Am 14. August, nach Sonnenuntergang, auf dem Schloßplatz in Mitte. Das Thema der Vorstellung passt wie immer bestens zum gewählten Ort: "Seifenblasen und Luftschlösser".

Mehr Infos: www.moviemiento.org