Sonderrolle

Im Roten Rathaus gelten andere Regeln

Die Idee stammte noch von Thilo Sarrazin. Der heutige Bundesbanker wollte in seiner Zeit als Berliner Finanzsenator die Verwaltung der Hauptstadt nicht nur effizienter, sondern auch günstiger machen.

Um das zu erreichen, wurde 2003 die Berliner Immobilienmanagement, kurz BIM, gegründet. Sie verwaltet mittlerweile 1000 Gebäude des Landes. Die Idee, die Sarrazin nun hatte, war aber mehr als eine reine Hausverwaltung. Durch einen Trick sollte die Bürofläche der Verwaltungen verringert werden. Die BIM erhielt die Gebäude und vermietete sie zurück an die Verwaltungen. Weil damit jeder Quadratmeter Geld kostet, sollten die Behörden animiert werden, Platz zu sparen. Seit 2002 konnten durch dieses Zusammenrücken in den Büros 207 Millionen Euro eingespart werden.

Da ja alles seine Ordnung haben muss - und alle auch gleich behandelt werden sollen im öffentlichen Dienst - wurde noch eine Verordnung geschrieben: Die Allgemeine Anweisung über die Bereitstellung und Nutzung von Diensträumen, im Beamtendeutsch AIIARaum genannt, regelt, wie viel Bürofläche einem Beamten oder Angestellten zu Verfügung gestellt wird. Danach liegt der durchschnittliche "Büroflächenverbrauch" zwischen acht und elf Quadratmetern.

Nun wollten die Politiker im Abgeordnetenhaus wissen, ob diese Regelungen auch für das Rote Rathaus gelten. In seinem Bericht an das Abgeordnetenhaus stellt Finanzstaatssekretär Christian Sundermann aber gleich die Sonderrolle der Senatskanzlei heraus. Schon bei der Einführung der Bürorichtlinien sei das Rote Rathaus von derlei Vorschriften zum Zusammenrücken der Mitarbeiter ausgenommen worden. Der Finanzstaatssekretär verweist - nicht ganz zu Unrecht - auf die protokollarische Sonderstellung des Gebäudes als Dienstsitz des Regierenden Bürgermeisters. Entsprechend ist die BIM für den Regierungssitz auch nur als Hausverwalter tätig, der Unterhalt und Bewirtschaftung organisiert, nicht als Vermieter. Schließlich offenbart der Staatssekretär, dass es sich zumindest platzmäßig lohnt, mit dem Regierenden Bürgermeister unter einem Dach zu arbeiten. Statt acht bis elf Quadratmeter kommen die 191 Beschäftigten in der Senatskanzlei in ihren 172 Büros auf durchschnittlich 25,78 Quadratmeter je Mitarbeiter.