Neues Autokino

Motor aus, Türen zu, Film ab

"Transformers - Die Rache". Das ist Action made in Hollywood: Autos verwandeln sich in gute und böse Roboter und bekämpfen sich. Die guten Transformers retten schließlich die Menschheit vor der Zerstörung und der Weltherrschaft des Bösen. Roboter als Hauptdarsteller eröffnen heute um 21.30 Uhr das neue Autokino auf dem Festplatzgelände in Wedding.

"Mit diesem Film richten wir uns an die junge Zielgruppe", sagt Geschäftsführer Sebastian Böhm; bei ihr liegt "Transformers" voll im Trend. Doch ein Autokino dürfte diesem Publikum eine neue Erfahrung sein. Böhm ist davon überzeugt, dass junge Zuschauer solche Spielstätten nur als Schauplatz, Tatort oder Staffage in alten Filmen kennen. "Mit dem eigenen Auto vor die Leinwand fahren und sich vom Wagen aus einen Film ansehen - das ist doch etwas Besonderes", sagt der Geschäftsführer. Denn normale Open-Air-Kinos gibt es mittlerweile "wie Sand am Meer." Ein wesentlicher Vorteil des Autokinos sei das geschlossene Fahrzeugdach: Es schützt vor Regen.

Rund 180 Fahrzeuge werden auf dem 4000 Quadratmeter großen Gelände Platz finden. Die Leinwand ist zwölf mal sechs Meter groß. Böhm verspricht für alle Plätze einen guten Blick.

Der 26-Jährige, der auch das letzte Wort beim Programm hat, will mit der Filmauswahl die 18- bis 40-Jährigen ansprechen. "Es wird richtige Blockbuster geben und zwischendurch immer wieder mal Klassiker wie etwa ,Denn sie wissen nicht, was sie tun' mit James Dean." Geplant sind auch Spätvorstellungen ab 24 Uhr oder zwei bis drei Filme zu einem Thema hintereinander. "Ich kann mir vorstellen, dass wir eine ,Lange Nacht der Horrorfilme' ankündigen, aber im Vorfeld noch keine Filmtitel nennen", verrät der ehemalige Theaterleiter der Charlottenburger "Kurbel" von seinen Plänen.

Ähnlich dem zeitlichen Spagat bei der Programmauswahl werden beim Drumherum nostalgische und aktuelle Elemente kombiniert. "Unsere Bedienungen laufen in 50er-Jahre-Kleidung rum", sagt Böhm. "Getränke und kleine Snacks können aber aus dem Auto mit dem Handy per SMS bestellt werden."

Längst vorbei sind auch die Zeiten, als für den Ton kleine, knarrende Lautsprecher an die heruntergekurbelten Seitenscheiben geklemmt wurden. Die Boxen waren mit Heizlüftern ausgestattet, die bei Bedarf das Wageninnere wärmten. Heute wird der Ton in Dolby-Surround über eine Radiofrequenz gesendet - was Autobesitzern, die ihren Wagen in eine fahrende Disco verwandelt haben, einen einzigartigen Hörgenuss verspricht.

Die Idee, das Publikum im eigenen Auto vor die Leinwand fahren zu lassen, erreichte Mitte der 60-Jahre Berlin - und kam natürlich aus den USA. Damals gab es bereits ein Autokino bei Frankfurt am Main. Das erste in Berlin wurde im Herbst 1965 in Siemensstadt eröffnet. Das brach liegende Gelände an der Motardstraße parallel zur Nonnendammallee fasste rund 800 Fahrzeuge. Aber der Platz reichte nicht.

"Autokino viel zu klein", meldete die Berliner Morgenpost am 25. September 1965. Mehrere Tausend Autofahrer sorgten auf der Motardstraße für ein Verkehrschaos. So groß war der Andrang zum Premierenfilm "Beim siebten Morgengrauen", nachdem die Schauspielerin Hannelore Elsner und ihr Kollege Georg Thomalla das Band an der Kasse zerschnitten hatten.

Zwei Jahre später eröffnete in Rudow an der Waltersdorfer Chaussee ein zweites Autokino. Noch größer und die Riesenleinwand aus Metall und nicht, wie in Siemensstadt, aus Eternit. Metall, so die amerikanischen Berater, verspreche ein helleres Bild. Aber bei dichtem Nebel half das auch nicht weiter; dann wurde der Filmabend zum Hörspielereignis.

Aber Nachfrage war da, es folgten weitere Autokinos. Das in Siemensstadt musste jedoch der Erweiterung des Kraftwerkes Reuter weichen. Dann sank die Nachfrage, Plätze mussten schließen. Anfang der 80-er versuchten die Veranstalter, das Publikum mit harmlosen Sex-Streifen wie "Schulmädchen-Report" und "Das bumsfidele Heiratsbüro" zu halten oder ein neues anzulocken.

Doch 20 Jahre später flimmerte es auf dem Parkplatz am Alexanderplatz, und im Frühjahr 2003 wurde das Drive-in-Kino auf dem Festplatzgelände eröffnet. Nachdem es im vergangenen Jahr stillgelegt wurde, ist heute erneut Premiere.