Verkehr

Brückenbau: Die Hälfte ist geschafft

| Lesedauer: 3 Minuten
Markus Falkner

Eines der wichtigsten Brückenbau-Projekte in der westlichen Innenstadt feiert Halbzeit. In der kommenden Woche wird die nördliche Brückenhälfte der Spandauer-Damm-Brücke für den Verkehr freigegeben.

Anschließend beginnen jedoch sogleich die Arbeiten für den Abriss und Neubau der südlichen Brückenhälfte. Autofahrer und S-Bahn-Kunden müssen sich voraussichtlich an mehreren Wochenenden im August und September auf Einschränkungen einstellen. Für den Abriss des maroden Bauwerks müssen die Stadtautobahn A 100 und die Ringbahn, die beide von der Brücke überspannt werden, zeitweise gesperrt werden.

Mammutprojekt liegt im Zeitplan

Nach Angaben der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung liegt das Großprojekt im Zeitplan. Die Arbeiten laufen bereits seit Mai 2008. Seitdem sind auch die Autobahnabfahrt "Spandauer Damm" und der nördliche Zugang zum S-Bahnhof Westend komplett gesperrt. Fußgänger und Radfahrer müssen sich den Gehweg auf der Brücke teilen. Autos werden seit mehr als einem Jahr einspurig in beiden Richtungen über die südliche Brückenhälfte geleitet.

Von dort wird der Verkehr nun auf die fertiggestellte Nordhälfte der Brücke verlagert. Der erste Teil der neuen Brücke soll am kommenden Sonnabend freigegeben werden. Geplant ist, zunächst den neuen Gehweg, den ebenfalls neuen, nun separaten Radweg und einen Fahrstreifen für Autos in Fahrtrichtung Spandau auf der Nordseite zu eröffnen. Anschließend müssen die Betonelemente zur Trennung der Fahrbahnen versetzt werden. Voraussichtlich am Abend des 18. Juli wird dann auch der stadteinwärts fließende Autoverkehr über die nördliche Brückenhälfte geleitet.

Auch für die Fahrgäste der S-Bahn gibt es durch die Verkehrsverlagerung eine Änderung. Der Bahnhof Westend ist bis zum geplanten Abschluss der Bauarbeiten Ende März 2011 über den nördlichen Zugang zu erreichen. Das südliche Treppenhaus wird gesperrt.

Befürchtetes Chaos blieb aus

Bereits im vergangenen Jahr hatte das Bauprojekt für erheblichen Ärger gesorgt. An mehreren Wochenenden gab es erhebliche Verkehrseinschränkungen. Von Vollsperrungen betroffen waren die Stadtautobahn zwischen den Dreiecken Funkturm und Charlottenburg, die Ringbahn und der Spandauer Damm. Für den Autoverkehr wurden weiträumige Umfahrungen ausgeschildert. Auch Buslinien der BVG und Fernverkehrszüge der Deutschen Bahn mussten zeitweilig umgeleitet werden. Kritiker der Senatsplanungen, darunter der Berliner Einzelhandelsverband und der Automobilclub ADAC, hatten vor einem Verkehrschaos in der gesamten City West sowie erheblichen Umsatzeinbußen für die Einzelhändler gewarnt. Tatsächlich verliefen alle Sperrungen aber deutlich glimpflicher als zunächst befürchtet. Größere Staus blieben bisher nach Angaben der Polizei weitgehend aus.

Die 46 Jahre alte Spandauer-Damm-Brücke überspannt auf 115 Meter Länge die Autobahn A 100 und die Gleise der Fern- und S-Bahn. Täglich wird sie von bis zu 50 000 Autos passiert. Sie muss abgerissen und neu gebaut werden, weil Tausalz und Feuchtigkeit über die Jahre die Konstruktion aus Spannbeton "angefressen" haben. Ursprünglich war geplant, das Bauwerk zu sanieren. Doch Untersuchungen ergaben, dass dies nicht mehr möglich ist. Die Kosten für den Ersatzbau, insgesamt rund 36 Millionen Euro, tragen zum größten Teil der Bund und die Europäische Union.

Erst unmittelbar vor Beginn der Bauarbeiten änderte die Senatsverwaltung ihr Verkehrskonzept. Zunächst war geplant gewesen, lediglich den Verkehr in Richtung Spandau auch während der Bauphase über die Brücke zu leiten. Stadteinwärts fahrende Autos sollten umgeleitet werden. Kritiker befürchteten jedoch, dass sich der Verkehr auf Schleichwegen in die Wohngebiete verlagern könnte. Senatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) lenkte ein und ließ die Autos im Gegenverkehr über die Brücke rollen.

Weitere Informationen zu dem Bauprojekt und zur neuen Verkehrsführung gibt es auf der Internetseite der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung.

Spandauer-Damm-Brücke im Netz www.stadtentwicklung.berlin.de